Gesundheitssystem

Freitag, 10. Februar 2006
AIDS - die schleichende Katastrophe

Botswana - selten zeigt ein Land solch massive Gegensätze wie Botswana im Gesundheitssystem. Das Land, das ein unvergleichlich besseres Bildungssystem als viele anderen afrikanischen Länder besitzt, bemüht sich auch im Sektor Gesundheitswesen auf alleinigen, gut organisierten Füssen zu stehen. Dies zeigt sich darin, dass man in den größeren Städten zum Teil sehr gute medizinische Einrichtungen finden kann. Diese wiederum werden von Einheimischen geführt. Botswana bemüht sich sehr darum entsprechendes Fachpersonal auszubilden und sich selbst organisieren zu können. In Gaberone gibt es das einzige AIDS-Kinderhospital in Afrika (Errichtet mit Hilfe eines Pharmakonzerns, der genau auf die Strukturen des Landes baut und sich gerade hier auch eine Vorbildfunktion von Hilfe zur Selbsthilfe erhofft).
Und trotzdem hat gerade dieses Land einer der höchsten AIDS-Raten von allen Ländern weltweit. Rund 38 % der Menschen in diesem Land sind bereits HIV-infiziert. Die Lebenserwartung ist binnen von 5 Jahren von sensationellen 60 Jahren (ein afrikanischen Spitzenwert) auf unter 45 Jahren gesunken. Woran liegt das? In Botswana greifen zum einen traditionelle Lebensweisen und Gesellschaftsverständnis, dies bedeutet, das vielerorts Frauen sich nach wie vor deutlich dem Mann unterordnen, vor allem auch im Hinblick auf sexuelle Lebensweisen. Für viele Männer wiederum gehört Fremdgehen zu einem akzeptierten Alltagsgeschehen. Da sie oft unter der Woche außerhalb ihrer Dorfgemeinschaft einer Beschäftigung nachgehen (z.B. in den Diamantenminen) wird der Effekt durch Nutzung von Prostitution in nahe gelegenen Städten noch verstärkt. Vor allem aber wird gerade der Erfolg Botswanas in der Bildungspolitik für Mädchen häufig zur Falle. Damit sie überhaupt eine Schule besuchen können, werden sie unter der Woche zu guten Freunden oder Anverwandten in die größeren Orte und Städte geschickt. Dort aber sollen sie manchmal ihren anvertrauten Ersatzeltern nicht finanziell zur Last fallen. Die Folge: Sie werden an Freunde und Bekannte zur Prostitution weitergegeben. Andere Mädchen wiederum begeben sich von selbst in die Situation, den nirgends kann so schnell Geld verdient werden als wie durch Prostitution. Wer die Gegensätze zwischen Stadt und Land in Botswana erlebt hat, kann den Wunsch nach Teilhabe auch nachvollziehen. Es ist definitiv ein Unterschied, ob ein Mensch in einem Kral auf dem gestampften Lehmboden inmitten der puren Wildnis schläft oder ob man ein Bett in einem Zimmer inmitten einer Stadt bewohnt. Hinzu kommt der Glaube, dass man selbst schon nicht betroffen sein werde von einer Ansteckung bzw. auf der anderen Seite ein gewisser Fatalismus, der letztlich so lautet: Egal, Hauptsache jetzt leben, irgendwann werde ich doch sowieso krank. All dies Punkte führen dazu, dass auch gute Ansätze in AIDS-Behandlung nicht in der Weise greifen, wie es wünschenswert wäre. Damit das Land in den nächsten 15 Jahren nicht seinen kompletten Mittelbau der Bevölkerung an die Pandemie verliert, müssen noch deutlich stärkere Akzente in der Aufklärung und vor allem auch in der Bereitstellung von Kondomen geleistet werden. Gerade letzterer Punkt würde es den Menschen auf dem Land auch möglich machen, das Wissen, welches durchaus vorhanden ist, auch durch geeignete Maßnahmen umzusetzen. Das Gesundheitssystem muss noch stärker seine Fühler in die ländlichen Gebiete ausstrecken und dort auch gerade die Frauen ermuntern selbstbewusst gegenüber ihren Männern aufzutreten, wenn es um Schutzmaßnahmen geht. Touristen wiederum sollten sich der Thematik bewusst sein und ihr Handeln gegenüber der Bevölkerung auch danach ausrichten. Dies betrifft sowohl die Aufmerksamkeit bei konkreter Hilfe sich selbst und dem anderen gegenüber (Thema Verletzungen, Bluttransfusionen, usw.), dies betrifft aber natürlich auch im übertragenen Sinne die Nutzung von Strukturen, die Prostitution ermöglichen und erleichtern.
Autorin: Annette Louis

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 Erschwerte Bedingungen für Rollstuhlfahrer in Lethlakane (photo by louis, www.africa-wildtours.com)


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