Fulbe

Die Fulbe, im deutschen Sprachbereich auch unter ihrem englischen Namen Fula oder Fulani und ihrem französischen Namen Peul oder Peulh bekannt, sind ein ursprünglich nomadisches westafrikanisches Hirtenvolk.

Die Eigenbezeichnung lautet: Halpular (die Pular sprechen) oder Fulbe (Mehrzahl) und Pullo (Einzahl). Zu den Fulbe gehören auch die Tukulor in Mauretanien und Senegal. Die Bevölkerung der Fulbe umfasst etwa sieben Millionen Menschen (allerdings sind diese Zahlen höchst zweifelhaft, da sie nicht auf Fakten, sondern auf Schätzungen basieren), die in meist größeren Gruppen in der gesamten Sahelzone von Mauretanien, Senegal und Guinea über Nigeria und Kamerun bis in den Tschad und den Sudan leben.

Die Fulbe sind, vom ethnologischen Standpunkt aus betrachtet, ein sehr interessantes Volk, da ihre Herkunft bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Die Frage über ihre Herkunft stellt sich aufgrund der Tatsache, dass sie zuweilen phänotypisch stark von ihren Nachbarn abweichen. Sie sind häufig sehr hellhäutig und haben "feinere" Gesichtszüge: schmale Nasen und Lippen, ovale, längliche Gesichter. Von daher kursieren viele Theorien über ihre Herkunft, einige davon sind sehr fantasievoll und lassen sie aus der Südsee kommen. Zwei Hypothesen zu ihrem Ursprung erscheinen plausibel: Die des saharanischen und die des altägyptischen Ursprungs. Die saharanische Hypothese besagt, dass die Ethnogenese der Fulbe in der Zeit der Rinderperiode in der Sahara (4500 v. Chr. bis 2500 v. Christus) zu lokalisieren sei. Felszeichnungen unterstützen diese Hypothese; in der Tat weisen die Felszeichnungen eine Fülle von Ähnlichkeiten mit den heute in Afrika lebenden nomadischen Hirtenvölkern auf (also z.B. den Fulbe oder Bedja). Dadurch ließen sich auch die Ähnlichkeiten, sowohl in anthropologischer als auch kultureller Hinsicht, zwischen den Hirtenvölkern Afrikas und trotz der großen geographischen Distanz zueinander, die gegeben ist, erklären.

Die Theorie des altägyptischen Ursprungs bedient sich der Linguistik, um die Frage nach der Ethnogenese zu erklären. In der Tat weisen die Fulbe und die Alten Ägypter einige markante Ähnlichkeiten auf (zwei der Clans der Fulbe tragen Namen, die mit Begriffen der altägyptischen Mystik übereinstimmen: die Ka (Dia, Diallo) und die Bâ. Auch einer der Pharaonen der 0. Dynastie trug den Namen Ka. Im weiteren Sinne wird die Verwandtschaft beider Völker durch die linguistischen Vergleiche unterstützt. Milch, die auf ägyptisch "hs3mw" (chosamou) hieß, heißt bei den Fulbe "kosam". Das Auge, auf ägyptisch "írt" (ieret), lautet auf pular "yiitere". Die Kuh, auf ägyptisch "nk" (nak), heißt auf pular "nagge".

Dies sind nur drei Beispiele, um eine wirkliche Verwandtschaft nachweisen zu können, bedarf es eines größeren vergleichenden Wortschatzes.

Die Frage nach dem Ursprung der Fulbe könnte in Zukunft durch genetische Untersuchung hinreichend beantwortet werden.

Die Fulbe sind traditionell ein nomadisches Volk, allerdings ist wahrscheinlich die Mehrheit von ihnen im Zuge ihrer Islamisierung sesshaft geworden. Traditionell befolgen die Fulbe einen strengen Kodex: den Pulaaku. Der Pulaaku sagt dem Pullo, wie er zu leben hat; er regiert sein ganzes Leben. Zum Pulaaku gehören traditionell auch die mystischen Vorstellungen der Fulbe. Der Pulaaku gründet sich auf drei Säulen:
munyal:
Hierbei handelt es sich um die Selbstbeherrschung, ein Pullo soll sich immer ruhig verhalten und darf sich nicht seinen Emotionen hingeben
semteende:
Hierbei handelt es sich um die Zurückhaltung, die für den Pullo von großer Bedeutung ist; Fulbe sollen möglichst introvertiert sein
hakkil:
Weisheit ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Pullo, ein Pullo soll weise und gebildet sein, denn nur der Weise ist dazu in der Lage, sich selbst zu beherrschen und bescheiden zu leben.

Es gibt drei weitere Grundsätze des Pulaaku:
wata a hersa: Sei dir selbst kein Anlass zur Schande!
wata a hula: Habe keine Furcht!
wata a fena: Lüge nicht!

Wer den Pulaaku nicht befolgt, ist kein Pullo mehr, sondern gehört zu den Ausgestoßenen. Die wirkliche Basis des Pulaaku ist allerdings die Sprache. Wer die Sprache nicht beherrscht, ist nicht dazu in der Lage, die komplizierte Esoterik der Fulbe zu verstehen.

Ihre Sprache, das Ful gehört zum westatlantischen Zweig (atlantische Sprachen) der westsudanesischen Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachfamilie. (Language Code: ful nach ISO 639.) Allgemein wird das Ful aufgrund seiner Grammatik als eine der komplexesten Sprachen überhaupt angesehen.

In der Kultur der Fulbe steht die Kuh an erster Stelle. In der traditionellen Religion der Fulbe schuf der Gott Geno, der höchste Gott, die Welt aus einem Tropfen Milch, der ihm von der Urkuh Itoori (welche einige mit Hathor, der altägyptischen Göttin der Liebe identifizieren) gegeben wurde; anschließend erschuf er die Kuh, den Mann und die Frau. Er setzte die Kuh hinter den Mann und die Frau hinter die Kuh. Fulbe legen den größten Wert auf ihre Tiere; das geht sogar soweit, dass einige Selbstmord begehen, wenn sie ihre Herde verlieren. Viele Fulbe weinen bei dem Verlust ihrer Tiere, vor allem bei dem des stärksten Stieres der Herde, dem Ngaari Mawndi (dies wurde auch als Beiname für die Könige der senegalesichen Dynastie der Deyniankoobe gebraucht). Von daher wird die Milch als göttliches Wasser angesehen, welche unverwundbar macht.

Auch die Namen der Clans haben eine Bedeutung. Bei den Fulbe existieren vier große Clans, die sich jeweils in Unterclans gliedern: Die Bâ, die Diallo (auch Ka oder Dia), die Barry und die Sow.

Die Bâ gelten als die Gelehrten, sie kennen sich vor allem in wissenschaftlichen und weltlichen, aber auch geistlichen Dingen aus. Die Diallo sind die Krieger, sie sind die Soldaten und haben dementsprechend auch eine solche Einstellung. Die Barry sind sowohl Kaufleute als auch Herrscher, sie haben die politische Macht inne. Die Sow sind die Initiatoren, sie sind es, welche sich am besten mit den Rindern auskennen.

Selbstverständlich ist diese Einteilung stark schematisiert; eigentlich findet sich nirgendwo mehr diese strikte Einteilung.

Bereits um 1000 n. Chr. hatten sich im Zuge des blühenden Transsaharahandels im Senegal bedeutende städtische Kulturen herausgebildet. Die Sprache der Fulbe, das Ful oder Fulfulde (der westliche Dialekt wir oft als Poular bezeichnet), bildete sich bereits vor dem 10. Jahrhundert im Senegaltal aus.

Im Lauf der Jahrhunderte wurden jedoch viele sesshaft und errichteten ab dem 19. Jahrhundert eine Reihe von Königreichen zwischen dem Senegal und Kamerun. Um 1810 besiegten sie die Haussa. Bis zu ihrer Unterwerfung durch die Briten in den Jahren 1900 bis 1906 hatten sie einen Großteil Nordnigerias unter ihre Herrschaft gebracht. Ihre Eroberungen haben die Fulbe oft mit religiösen Motiven gerechtfertigt. Als berühmtester der zahlreichen historischen Anführer der Fulbe ging Usman dan Fodio (1745-1817), der das Kalifat von Sokoto im Norden Nigerias gründete, in die Geschichtsbücher ein.


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