Kamerun als deutsche Kolonie

Der Einfluss der Deutschen auf Kamerun war bereits 1868 durch die Errichtung von Handelsniederlassungen an der Mündung des Wouri durch das Hamburger Handelshaus Woermann stärker geworden. Auf Druck dieses Handelshauses kam es am 14. Juli 1884 zu dem Auftrag Bismarcks an Gustav Nachtigal, die deutsche Fahne in Kamerun zu hissen und auf diese Weise Kamerun zu deutschem Schutzgebiet zu erklären, nachdem er die oben genannten Verträge ausgehandelt hatte. Der fünf Tage später kommende britische Konsul, der Kamerun für England in Besitz nehmen wollte, konnte nur noch gegen diese Landnahme protestieren.

Ein Aufstand der Einwohner von Joßdorf vom 20. Dezember bis 22. Dezember wurde durch Mannschaften der Korvetten Bismarck und Olga unter Konteradmiral Eduard Knorr niedergeworfen. Der Ort wurde zerstört und anschließend als Sitz des Gouvernements neu errichtet.

Die Grenzen des Schutzgebiets wurden jedoch bereits ein Jahr später auf der Kongo-Konferenz (Kongo-Akte) in Berlin festgelegt. Die Befriedung des Schutzgebietes zog sich bis kurz vor den Ersten Weltkrieg hin. Erst 1901 bis 1903 wurden die islamischen Reiche Nordkameruns (Bornu, Adamawa, Mandara, Kotoko-Sultanate) durch die Schutztruppe in den deutschen Machtbereich einbezogen. Die Deutschen begannen mit der Erforschung und Erschließung des Hinterlandes und leiteten die extensive landwirtschaftliche Nutzung ein. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden große Kakao- und Ölpalmen-Plantagen, vor allem am Kamerunberg, angelegt. Zudem begann der Aufbau einer funktionierende Infrastruktur, um der aufblühenden Plantagenwirtschaft einen besseren Transport zu ermöglichen. Dem diente der Bau der Eisenbahn von Nkongsamba zum Hafen von Duala.

Der Grenzverlauf wurde in zahlreichen Verträgen immer wieder neu festgestellt:

3. Mai 1885 mit Großbritannien
24. Dezember 1885 mit Frankreich
27. Juli 1886 mit Großbritannien
2. August 1886 mit Großbritannien
14. April 1893 mit Großbritannien
15. November 1893 mit Großbritannien
15. März 1894 mit Frankreich
1901 und 1902 mit Frankreich

Zur Sicherung des Schutzgebiets rüstete Freiherr von Gravenreuth im Sommer 1891 eine größere Expedition aus, doch fiel er am 5. November 1891 bei Buea. Das Gebiet war mehrfach Herd von Aufständen, wodurch die Friedensverträge gebrochen wurden. Erst Rittmeister von Stetten konnte Buea nach mehreren Gefechten im März 1895 völlig unterwerfen. Siegreiche Feldzüge gegen die Bakoko am unteren Sanaga wurden im Mai 1895 abgeschlossen. Von Kamptz und Bartsch erzwangen im Februar 1896 gegen die Bogebatschi am Njong den ungehinderten Verkehr zwischen der Küste der Station in Jaunde.

Die Unterwerfung des Nordostens der Kolonie erzwang erneut Hauptmann von Kamptz, indem er am 14. Januar 1899 Ngillastadt, 11. März Tibati erstürmte und im Mai die Station Joko gründete. Im Oktober 1901 ging eine Expedition unter Dominik ab, um die deutsche Herrschaft im Gebiet der Schari (südlich des Tschadsees) zur Geltung zu bringen. Sie traf im Januar 1902 in Garua ein.

Eine bedeutende Vergrößerung des Schutzgebietes erfolgte 1911 im Marokko-Kongo-Abkommen auf Kosten der französischen Kolonien in Zentralafrika (Neukamerun)

Die Lokalverwaltung bestand aus Bezirksämtern, Regierungs- und Militärstationen und Residenturen mit indirekter Verwaltung im islamischen Norden der Kolonie. Vor der Eingliederung Neukameruns bestanden die Bezirke Rio del Rey, Victoria, Duala, Jabassi, Johann-Albrechts-Höh, Bare, Ossidinge, Bamenda, Kribi, Edea, Ebolowa, Lomië, Molundu/Jukaduma, Dume, Yaoundé und Banjo, sowie die Residenturen Adamaua und Deutsche Tschadseeländer. Zwei weitere Residenturbezirke wurden 1913 in Ngaundere durch die Teilung Adamauas und 1914 in Bamoun durch die Abtrennung des gleichnamigen Kleinkönigreichs vom Bezirk Bamenda geschaffen.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges konnte sich die zahlenmäßig und materiell (vor allem durch großen Mangel an Munition) unterlegene Schutztruppe noch zwei Jahre in Kamerun halten. Das Gros der Truppe überschritt Anfang Februar 1916 die Grenze zum benachbarten spanischen Muni-Gebiet und wurde auf Fernando Póo bzw. in Spanien interniert. Am 20. Februar 1916 begab sich die letzte Garnison in Mora (Nordkamerun) nach der Zusage eines freien Abzugs in die Hände der britischen Kolonialarmee.

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