Tschadsee

Der Tschadsee ist ein abflussloser Binnensee in Westafrika. Er liegt am Südrand der Sahara beim Ländereck Tschad, Kamerun, Nigeria und Niger.

Auf das dramatische Absinken des Tschadsee-Wasserspiegels, besonders während der letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, ist durch Veröffentlichungen von Satellitenaufnahmen allgemein aufmerksam gemacht worden.

Rund 90% seines Wassers erhält der See durch die Flüsse Chari und Logone. Weniger als 10% des Zulaufs stammen aus nigerianischen Flüssen. In erster Linie handelt es sich dabei um den Komandugu. Von geringerer Bedeutung sind Ngadda und Yedseram. Alle diese Flüsse sind perennierend, unterliegen den jährlichen Pegelschwankungen. Im westlichen Teil des Seebeckens mündet ein Wadi, die Abflussrinne Bahr-el-Ghazal.

Somit ist die Wasserhaushalt des Tschadsees ganz wesentlich von den Niederschlägen im gemeinsamen, rund 800 km weit entfernten Einzuggebiet von Chari und Logone abhängig. Im Rhythmus der Regenzeiten schwankt der Wasserspiegel des Sees und überschwemmt kilometerweise flaches Land oder zieht sich entsprechend zurück. Bei der geringen Tiefe, in großen Bereichen des Sees beträgt sie weniger als einen Meter, an den tiefsten Stellen kaum mehr als fünf, und der hohen Verdunstungsrate, allgemein geht man jährlich von acht Metern aus, verlagern sich deshalb seine Uferlinien ständig. Als sich im Laufe der 1960er Jahre die vom Chari beförderten Wassermengen um mehr als 50% verringerten, reduzierte sich seine Oberfläche drastisch. Die Regression nahm durch die Dürren der 1970er Jahre sogar dramatische Ausmaße an. Das nördlich Seebecken trocknete komplett aus; im Süden verblieb eine geringe Wasserfläche. Nigeria verlor seinen Anteil an der offenen Wasserfläche vollständig. Neue Ansiedlungen auf trocken gefallenem Seegrund entstanden in allen oben genannten Staaten. In einigen Fällen mussten sie zum Teil wieder aufgegeben werden, nachdem sich durch Zunahme der Niederschläge die Uferlinien der Flachwasserbereiche gegenläufig verlagerten. Ob diese seit 1998 zu beobachtende Transgression künftig anhalten wird, ist ungewiss.

Bei durchschnittlichen Niederschlägen um mehrere Dezimeter schwankend, liegt der Seespiegel gegenwärtig etwa 240 m ü. NN und bedeckt rund 23 000 km². Eine mit dem Kaspischen Meer vergleichbare Ausdehnung, etwa in der 300.000 km² besaß der See um 4 000 v.Chr. Der Wasserspiegel lag damals ca 40 m höher. Für dieses alte Seebecken wurde von Geowissenschaftlern der Begriff Mega-Tschad eingeführt.

In der Nähe seines Ufers fanden Ärchäologen die ältesten Keramikfunde Westafrikas und bei Konduga in Nordost-Nigeria einen Einbaum, dessen Alter auf achttausend Jahre datiert wird. Die den See umgebende Landschaft, mit einem feuchteren und kühleren Klima als heute, eine von zahlreichen Zuflüssen durchzogenen Savanne, bot den dort lebenden Menschen reichlich Nahrungsressourcen und wurde früh besiedelt. Mehrere langandauernde Regressionsphasen und schwächere Transgressionen sind an einstigen Strandwällen ablesbar, die nach geomorphologischen Untersuchungen und nach Auswertung von Satellitenfotos kartiert wurden.


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