Luo

Die Luo sind ein Volk in Kenia und Tansania am Viktoriasee, dem etwa 3,4 Millionen Menschen angehören. In Kenia sind nach den Kikuyu und den Luhya die drittgrößte Ethnie Kenias. In Uganda sind sie u.a. mit den Acholi verwandt.

Ihre Sprache heißt ebenfalls Luo oder Dholuo, sie gehört zu den nilotischen Sprachen.

Waren sie ursprünglich ein pastorales Volk, so integrierten sie doch auch mit der Zeit den Ackerbau in ihre Wirtschaftsweise. Ihr Name bedeutet "Menschen aus den Sümpfen" und wanderten sie erst ab ca. dem 15. Jh. in mehreren Schüben ins Gebiet des heutigen Kenia ein. Ethno-linguistisch verwandt sind die Luo mit den Kalenjin und den Massai.

Bedeutende Politiker unter den Luos waren Tom Mboya †, der ehemalige und 1990 ermordete kenianische Außenminister Dr. Robert Ouko, Oginga Odinga † und dessen Sohn und momentane Minister unter der Narc-Regierung (seit 2002) Raila Odinga. Seit der Kolonialzeit stehen die Luo in einem Konkurrenzverhältnis zu den Kikuyu. Politische Rivalitäten haben nicht erst seit der letzten Wahl (2002) in Kenia der damit verbundenen Enttäuschung über Kompetenzverteilung innerhalb der Regierung (Stichwort Verfassungsreform, Einrichtung des Amtes eines Ministerpräsidenten) zu Mißtrauen und Ressentiments gegenüber den Kikuyu geführt. Sie gelten als äußerst traditionsbewusst. Dies und die Spannung zu den Kikuyus trat 1987 sehr deutlich in dem berühmten Otieno-Fall (Wer hat das Recht einen Toten wo zu beerdigen: die Kikuyu-Witwe oder die Luo-Brüder?), der zu monatelangen Presseberichten und sogar Straßenunruhen in Nairobi führte.

Das Haupverbreitungsgebiet der Luos ist heute die Nyanza Provinz, die darüberhinaus auch von den Bantusprachigen Kisii oder Gusii bewohnt wird. Nicht selten ist es in den dichtbesiedelten Grenzbereichen im Westen, die eine der höchsten Populationsdichten Kenias aufweisen,zu Auseinandersetzungen um Land gekommen. Bei einem direkten Vergleich der Luos mit anderen Ethnien bzw. Regionen Kenias fällt der geringe Innovationsgrad im Agrarsektor auf. Die Landwirtschaft in ihrem Siedlungsgebiet ist deutlich weniger technisiert, marktorientiert und diversifiziert wie beispielsweise in der kenianischen Cetral Province (Kikuyu Land).

Administratives Zentrum, die Hauptstadt der Luo sozusagen bildet Kisumu, die drittgrößte Stadt Kenias. Dort ist momentan auch die höchste HIV/AIDS-Rate Kenias zu verzeichnen. Korrelationen mit der hohen Mobilität der Luos können hier nicht ausgeschlossen werden, sind aber zu vermuten.

Die Luo zeichnen sich durch eine hohe Mobilität aus und sind als Arbeitsmigranten in allen Teilen Kenias zu finden. Überproportional viele Luo sind Akademiker. Grace Ogot, die erste Schriftstellerin Afrikas und wohl die bedeutendsten Autorin Ostafrikas, wurde am 15. Mai 1930 in Asembo bei Kisumu geboren. Ogot schreibt Romane und Kurzgeschichten in Englisch und Luo, ihrer Herkunftsethnie.

Linktipp

www.language-museum.com

© Der Inhalt steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation

¨