Massai


Ein Massaimann

Die Massai, Maasai, Maassai oder Masai sind ein nomadisch lebendes indigenes Hirtenvolk in Afrika, das in den weiten Ebenen im Süden Kenias sowie im Norden Tansanias beheimatet ist. Die Massai sind die wohl bekannteste Volksgruppe Ostafrikas. Die Massai halten einerseits an alten Traditionen und Lebensweisen fest, verstehen es aber andererseits auch, ihre Kultur touristisch zu vermarkten.

Es gibt ca. 1.000.000 Massai, wobei 350.000-500.000 in Kenia leben.

Der Regengott Ngai, der auf dem Gipfel des Mount Kenya thront, hat, nach dem Glauben der Massai, ihnen alle Rinder dieser Erde überlassen, woraus folgt, dass alle anderen Rinderbesitzer Viehdiebe sein müssen. Daraus leiten die Massai auch das Recht ab, anderen Völkern ihre Rinder gewaltsam abnehmen zu können.

Die Sprache gehört zu Gruppe der nilotischen Sprachen und ist nahe verwandt mit der Sprache der Samburu sowie der Njemps. Diese drei Gruppen bezeichnen ihre Sprache selbst als Maa. Die meisten Massai sprechen ebenfalls Swahili. Doch hauptsächlich sprechen die Massai Kimassai, die uralte Stammessprache der Massai, die im Gegenstaz zu Swahili, einer Mischung aus Arabisch und Bantu, eine eigenständige und traditionelle Sprache ist.

Die einzelnen Klans behalten ihr nomadisches Leben weitgehend und waren niemals in Form von Königreichen oder Staaten organisiert. 1870 organisierten sich die kenianischen Massai unter der politischen und militärischen Führung eines Laibon und eines Orkoiyoi, die vorher religiöse Führer waren. Das Stammesgebiet wurde Britisch-Ostafrika im Jahr 1888 einverleibt und die Führung 1918 abgeschafft.

Die Massai sind als Krieger (moran) und Viehhirten (Rinder) berühmt. Ihre Kultur dreht sich rund um die Rinder. Die Hütten der Massai sind aus getrocknetem Kuhdung. Das Trinken von Kuhblut, teilweise vermischt mit Milch, gehört ebenfalls zum Leben und den Zeremonien dazu. Dabei wird dem Rind der Kopf festgehalten und mit einem Pfeil die zum Anschwellen gebrachte Halsvene angeritzt - jedoch nicht durchtrennt. Nach dem Auffangen von max. 2l wird das Rind verbunden und lebt weiter. Nach zugabe der Milch wird das Gefäß lange geschüttelt um einen 'Blutkuchen' zu verhindern. Es wird frisch - aber auch nach einer Reifephase von 2 Tagen - getrunken und ist das Hauptnahrungsmittel der Massai. Es wird Saroi genannt.

Durch die zunehmende Zersiedelung Kenias wird die nomadische Lebensweise der Massai immer stärker behindert. Die Naturreservate Massai Mara, Serengeti und Amboseli schränken diese Bewegungsfreiheit ebenfalls ein.

Es gibt viele Zeremonien. Sehr bekannt ist das springende Tanzen der Männer. Die jungen Massai, morani, springen dabei auf der Stelle so hoch wie möglich und beweisen so ihre Stärke. Das Töten eines Löwen war früher Voraussetzung, eine Frau haben zu dürfen. Es gibt Anzeichen, dass dies in abgelegenen Gebieten auch heute noch zelebriert wird. Ebenso mussten die jungen Männer oft jahrelang in einem eigens von ihnen gebauten Dorf wohnen. Dafür gibt es heute keinen Platz mehr.

Bei den Massai haben die Frauen hohes Ansehen und viele Mitspracherechte.

Bei Männern wird Beschneidung, bei Frauen Genitalverstümmelung praktiziert. Ältere Männer beschneiden die Jungen, die dabei keinen Ton von sich geben dürfen. Die Mädchen, die dabei allerdings schreien dürfen, werden von älteren Frauen beschnitten. Bei der Geburt schreien Massai-Frauen keinesfalls, was ihnen in Gebieten, wo sie mit anderen Ethnien überlappen, wie z.B. im Städtchen Kilgoris mit den Kisiis und gemeinsam im Kreißsaal des Hospitals liegen, den heimlichen Vorwurf einbringt, herzlos zu sein. Wenn die Frau jedoch schreit, ist es möglich, dass sie aus der Gemeinschaft verbannt wird. Die Massai-Frauen halten dagegen die Kisii-Frauen für ziemliche "Waschlappen".

Der inzwischen pensionierte Lehrer des Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt Dieter Breiholz wurde als erster Weißer von einem Massaistammesoberhaupt adoptiert. Einem größeren Publikum bekannt wurden die Massai durch Corinne Hofmanns autobiographischen Roman und Film Die weiße Massai (2005), in dem sie die Rolle der morani als Sexsymbol für wohlstandsgesättigte westliche Frauen beschreibt, freilich ohne sich dessen bewusst zu sein. Allerdings ist der Titel irreführend, da die Schweizerin einen Samburu ehelichte.


Linktipps

The Maasai Association
The Maasai Language Project
Religion der Massai
Informative Webseite eines Schulprojektes
Indigene Völker Afrikas

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