Unsere Besteigung Ende August 2004


Gipfelrunde

Nach unserer Landung und einem Tag Aufenthalt in Nairobi sind wir mit dem Matatu – dem in Kenia gängigen öffentlichen Verkehrsmittel, einem Minibus mit neun Sitzen (in der Regel fahren 12-20, manchmal auch über 20 Leute mit) nach Nanyuki gefahren. Dort haben wir übernachtet, unsere Verpflegung organisiert und sind am nächsten Tag gestartet. Für den Aufstieg haben wir die Sirimon-Route gewählt, für den Abstieg die Chogoria-Route. Beide Routen beginnen und enden an der Mount Kenya-Ringstraße beginnt. Zum Einstieg in diese Route kann man sich auch wieder kostengünstig mit dem Matatu chauffieren lassen. Insgesamt haben wir für unsere Tour 5 Tage gebraucht, Gehzeit täglich ca. 4-6 h:

Tag: Von der Ringstraße bis zum Old Moses Camp auf 3300 m wandern wir zunächst durch Maisfelder und Ackerland, bevor wir durch ein paar Meter Regenwald in die Hochmoore der Nordseite vordringen. Wir schlagen unser Zelt auf und genießen die Sicht. Tag: Vom Old Moses Camp marschieren wir durch Moor- und Sumpfgelände zum Shipton’s Camp auf 4200 m. Wir sind froh, ein eigenes Zelt dabei zu haben. Aber wir beneiden doch ein wenig die geführten Gruppen, deren Guides afrikanische Schmankerl wie Huhn mit Reis, Pfannkuchen u.ä. aufkochen, während wir unsere Tütensuppe schlürfen. Tag: Ein zusätzlicher Akklimatisierungstag. Nachdem es Hanno in der Nacht schwindlig und übel wird, beschließen wir, einen Ruhetag einzulegen. Außerdem rußt unser Benzinkocher. Der Himmel schickt uns einen Südafrikaner, der sich langweilt, weil er darauf wartet, den Gipfel Batian zu erklimmen und die Bedingungen heute wieder nicht passen. Er hat dafür jahrelang in einem Outdoorladen gearbeitet und bietet uns an, den Kocher zu reparieren, es sei kein Problem für ihn und er tüfftle gerne mal rum. Wir können unser Glück kaum fassen! Beruhigt steigen wir vom Shipton’s Camp aus 200 Höhenmeter auf, wandern ein Stück den Höhenweg entlang und kehren gegen Mittag wieder zum Camp zurück. Wir verbringen den Nachmittag in unserem Zelt und unseren warmen Schlafsäcken – es hat geschneit! – was viel angenehmer ist als gedrängt im Camp zu sitzen. Tag: Auf geht es zum Point Lenana: Nachdem der Weg zum Gipfel doch nicht so leicht zu finden ist – das in Nairobi erworbene Kartenmaterial (siehe unten) hat nicht die Qualität der Alpenvereinskarten - bauen wir früh um halb vier unser Zelt ab und schließen uns für einen Tag einem Guide mit einem französischen Pärchen an. Kurz vor sechs sind wir am Gipfel und warten auf einen traumhaften Sonnenaufgang. Danach geht es auch schon wieder bergab, auf der Chogoria-Route, der längsten, dafür aber landschaftlich schönsten Route gelangen wir am selben Tag noch bis zum Chogoria Park Gate. Hier übernachten wir und erholen uns von den Gipfelstrapazen. In der Nacht läuft mir auf dem Weg zur Toilette ein Büffel über den Weg, der aber zum Glück genauso viel Angst hat vor mir wie ich vor ihm. Tag: Der lange Abstieg zur Ringstaße, ca. 30 km liegt vor uns. Zeitig brechen wir auf, laufen einen gut befestigten Weg durch Bambuswälder hinab, immer auf der Hut vor Elefanten oder Büffeln. Ein bißchen unheimlich ist es uns schon, wir machen mit unseren Alutassen Krach, damit uns Afrikas Tierwelt nicht zu nahe kommt. Weil, wie wir von den Einheimischen gelernt haben: „Elephant no good“ – vor allem nicht, wenn man einem, womöglich vielleicht verletzen Einzeltier begegnet. Aber, es geht alles gut und wir kommen erschöpft, aber wohlbehalten und glücklich zur Ringstraße zurück, erwischen ein Matatu nach Nanyuki, wo wir uns in einem billigen Hotel einquartieren und uns abends ein vernünftiges Abendessen schmecken lassen, bevor es weiter geht in den Westen Kenias.

Autorin: Sibylle Stöhr



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