Die Demokratische Republik Kongo

Mobutus Putsch bedeutete das Ende der Demokratie und den Beginn seiner mehr als drei Jahrzehnte währenden Diktatur, die sich als eines der brutalsten und korruptesten Regimes des nachkolonialen Afrika erweisen sollte. Zur Festigung seiner noch jungen Herrschaft benutzte er eine Kombination aus Gewalt, Korruption und der frühzeitigen Ausschaltung möglicher alternativer Machtzentren, eine Kombination, die für seine ganze weitere Herrschaft prägend blieb. Anders als die bisherigen Politiker des jungen Landes fand er seine Machtbasis nicht in einer Partei oder einer Ethnie, also in irgendeiner Weise dem "Volk", sondern im Militär, welches er kontrollierte, und in seinen Verbündeten, den USA. Zugleich hatte er in den Jahren seit der Unabhängigkeit ein weit reichendes Netz aus Kontakten, Allianzen, Verbindungen und Verpflichtungen im Apparat des Staates und darüber hinaus aufgebaut, die ihn zu einem fast unangreifbaren Gegner machten und ihm ermöglichten, in den kommenden Jahren seine Gegner nach und nach auszuschalten. Ironischerweise war es gerade diese Unangreifbarkeit, die ihn anfangs im Volk beliebt machte, denn nach der Kolonialzeit, den enttäuschten Hoffnungen der Unabhängigkeit und den Jahren des Bürgerkriegs wollten die Menschen nur noch Frieden und begrüßten daher anfangs Mobutus Säuberungen.

Konsolidierung und Authenticité

Nachdem er das Land "befriedet" hatte, begann er mit der Festigung seiner Herrschaft. Er löste die Regionalparlamente auf, verbot alle ethnischen Organisationen und für die Dauer von fünf Jahren jedwede politische Betätigung. Am 22. März 1966 machte er den Militär Léonard Mulamba zum Premier, erhob sich selbst zum Präsidenten und übernahm alle gesetzgeberische Macht. Er ließ Evariste Kimba und mehrere Minister der legalen Regierung als "spektakuläres Exempel" (Mobutu) hinrichten. Tshombé und Kasavubu stellte er vorläufig still, um so eine mögliche zukünftige Opposition zu "enthaupten". Tshombe war wieder in Spanien im Exil und wurde in Abwesenheit als Hochverräter verurteilt. Kasavubu wurde abgesetzt, er zog sich in sein Heimatdorf zurück. Sein Amt nahm Léonard Mulamba ein. Tshombé und Kasavubu starben beide 1969, ob Mobutu in ihren Tod verwickelt war, ist bis heute unklar.

Zugleich begann er mit der ideologischen Unterfütterung seiner Herrschaft. 1967 bereits gründete er eine eigene Partei, die Mouvement Populaire de la Révolution, die im November 1970 den Einparteienstaat und alle Bürger zu Mitgliedern erklärte, und sich selbst zum obersten Staatsorgan erhob. Bereits im Gründungsmanifest propagierte die MPR dabei die Authenticité, eine kongolesische Spielart der Négritude. Sie verwies auf die "Werte der Vorfahren" und die irrige Vorstellung vom Kongo als einer kulturellen Einheit, als Resultat davon wurde das Land unter anderem "afrikanisiert". So firmierte die Demokratische Republik Kongo seit Oktober 1971 als Zaïre (ein durch Missverständnisse entstandener Name. Als die Portugiesen landeten und nach dem Namen des Kongoflusses fragten, dachten die Einheimischen, sie wollen wissen, wie man "Fluss" in der Landessprache sagt. Die Antwort war daher "N`Zadi" = der Fluss auf Lingala, einer der heutigen vier Nationalsprachen. Die Portugiesen verstanden N'zaire. Im Februar 1972 wurden alle christlichen Vornamen afrikanisiert und der Abacos, ein spezieller Anzug, war als Kleidungsstück für Männer vorgeschrieben. Dieser der Zeit entsprechende ideologische Unterbau war allerdings eine reine Fassade. Die letzte große Maßnahme unter ihrem Mantel war 1973 die Zaïrisierung der Wirtschaft, sprich die Verstaatlichung der großen Konzerne, die bis dahin noch in zumeist belgischer Hand waren, danach erlahmte die Authenticité. Vorübergehend versuchte man, an seiner Stelle den "Mobutismus" einzuführen, eine religiöse Verklärung Mobutus als göttliche Gestalt, die im Volk aber grandios scheiterte, danach beendete die Führung den Versuch ideologischer Rechtfertigung.

Die Plünderung Zares

Politisch durch die USA sowie seit der Zaïreisierung wirtschaftlich durch Mobutu verdrängt, waren die Belgier, die den Kongo so lang beherrscht hatten, von nun an bedeutungslos geworden. Unter der Maßgabe der USA, die Bodenschätze Zaïres dem Westen vorzubehalten, war Mobutu nunmehr der unumschränkte Herrscher über Zaïre. Zwar kam es immer wieder zu kleineren Aufständen oder Umsturzversuchen, aber Mobutu konnte sie meist schnell durch militärische Intervention niederschlagen, teils bediente er sich dazu auch fremder Söldnertruppen. Die vollständige Kontrolle über die extremen Rohstoffreichtümer des Landes bot ihm die Möglichkeit, sich unbegrenzt zu bereichern, 1984 verfügte er über ein Vermögen von geschätzten 4 Milliarden Dollar.

Aber nicht nur Mobutu "bediente" sich, Korruption, Diebstahl und Unterschlagung wurden für jene, die in entsprechenden Ämtern saßen, bald zur obersten Priorität. Diese Haltung führte so weit, dass beispielsweise 1994 mehrere Generäle der Armee die Mirage-Flugzeuge der zaïreschen Luftwaffe heimlich verkauften. Der Staat und seine Verwaltung wurden so innerhalb kürzester Zeit funktionsunfähig und dienten allein der Bereicherung der Führungsschicht. Da auch Investitionen ausblieben und Entwicklungshilfegelder in aller Regel direkt auf den Konten Mobutus verschwanden, sank die Produktivität der zaïreschen Wirtschaft immer weiter. So betrug die Kupferproduktion des Landes 1995 nur noch acht (!) Prozent von der Fördermenge des Jahres 1984. Ende der 80er Jahre war der Staat wirtschaftlich vollständig heruntergekommen.

Der Sturz Mobutus

Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Staaten ab 1989 und dem Ende des Kalten Krieges kühlte sich zusätzlich das Verhältnis zwischen Mobutus Herrschaft und den bisherigen Schutzmächten USA und Frankreich drastisch ab. Mobutu initiierte nach inneren Unruhen und auf Druck von außen zu Beginn der 1990er einen Reformprozess und begann in diesem um die Macht zu taktieren. 1990 verkündete er als erstes das Ende des Einparteiensystems. Über 200 Parteien entstanden in kürzester Zeit und im Folgejahr installierte Mobutu eine "Souveräne Nationalkonferenz", zu der sich alle Parteien geladen fanden. Diese Nationalkonferenz zerschlug er jedoch unter dem Vorwand "ethnischer Einseitigkeit" in ihrer Zusammensetzung und trieb parallel durch Förderung ethnischer Konflikte Keile zwischen die einzelnen Gruppen. Die eigene Macht allerdings vermochte er nicht mehr wieder zu installieren, sein Vorgehen mit teils militärischer Gewalt verhindert zwar die von den neuen politischen Parteien betriebene Demokratisierung Zaïres, nicht aber die Erosion seiner Diktatur. In das Machtvakuum insbesondere in den weit von der Hauptstadt entfernten Teilen des Landes drängten sich Rebellengruppen, ab Juli 1994 wurde dies insbesondere noch angeheizt durch flüchtige Soldaten und Milizionäre des dortigen Regimes, die zusammen mit Hunderttausenden von Hutu nach dem Völkermord in Ruanda nach Zaïre flohen.

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