Kolonisierung

Die letzten afrikanischen Staatswesen

Ohne ein eigenständiges und funktionstüchtiges Staatswesen, das groß genug war, um den zunehmenden Aktivitäten der europäischen Kolonialmächte im Kongo-Becken Paroli zu bieten, war Zentralafrika weitgehend wehrlos. Mit dem beginnenden 18. Jahrhundert konnte so der Sklavenhandel durch Europäer, Afroaraber und einige afrikanische Völker (z. B. die ghanaischen Akan) ungestört und systematisch ausgebaut werden. Vom Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zwischen 13 und 20 Millionen Menschen aus Afrika als Sklaven verschifft, davon ca. fünf Millionen von der Küste des Kongos und Angolas, ein ungeheurer Aderlass, der große Teile der Region sozial und wirtschaftlich verwüstete.

Zwar existierten bis zum Ende des 19., teils gar Anfang des 20. Jahrhunderts weiterhin Königreiche im Kongo, zum Beispiel im Nordosten das Königreich der Mangbetu (von 1815 - ca. 1895) und im Norden das Sultanat der Zandé (ab 1860 - ca. 1912). Diese aber hielten sich nur mit europäischer Duldung als entweder abhängige und tributpflichtige Vasallenstaaten oder kleinste Einheiten in den Gegenden, die für die Europäer bis zur vollständigen Bereisung noch terra incognita waren.

Die Erforschung des Kongo durch Europa

Seit dem ersten Kontakt mit dem Kongo 1482 durch Cao hatten die Europäer sich auf die Ausbeutung des Landes als Sklavenlieferant beschränkt. Fast 400 Jahre lang ließen sich europäische Händler nur an den Küsten des Kontinents nieder, wo sie sich von afroarabischen und afrikanischen Zwischenhändlern Sklaven anliefern ließen, aber mit der sukzessiven Abschaffung der Sklaverei Mitte des 19. Jahrhunderts ging selbst dieses Interesse zurück. So blieb das Innere des Kontinents Europa lang verborgen.

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts war es David Livingstone, ein schottischer Missionar, der als erster mit dem Kongobecken die küstenfernen Regionen des Kongo erforschte. Bei einer weiteren Expedition galt er 1866 als verschollen. Der ihm vom New York Herald nachgesandte englische Journalist Henry Morton Stanley (1841-1904) machte sich 1867 auf die Suche nach ihm und fand ihn am 10. November 1871 in Ujiji nahe des Tanganjika-Sees, dessen Nordende sie in der Folge gemeinsam erkundeten.

Stanley war zwar weitgereist, in Zentralafrika aber war er zum ersten Mal. Freimütig gestand er: "ich verabscheue dieses Land von Herzen", was ihn nicht daran hinderte, seinen Namen untrennbar mit dem des Kongo zu verknüpfen. Stanley erforschte den Verlauf des Kongo-Flusses von 1874 bis 1877 und war damit der erste Europäer, der den Kongo umfassend bereiste.

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