Nama

Die Nama werden von den San als "Brudervolk" bezeichnet, sind vermutlich mit diesen oder später aus Zentralafrika zugewandert und haben sich sowohl in Südafrika als auch später in Südwest-Afrika niedergelassen. Traditionell wirtschafteten die Nama als nomadische Viehzüchter, wodurch sie sich zunächst deutlich von den als Jäger und Sammler lebenden San unterschieden. In Südafrika hatten die Nama im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts vielfältigen Kontakt mit den Buren, anderen europäischen Siedlern und Missionaren. Während dieser Zeit wurden die Nama größtenteils christianisiert; sie erlernten als Haus- und Farmangestellte der Europäer Lesen und Schreiben und den Umgang mit Pferden. Letzteres eröffnete völlig neue Jagdmöglichkeiten und löste auf der Suche nach besseren Jagdgründen eine neue Wanderungswelle aus, die die Nama schließlich im 18. Jahrhundert auch nach Südwest-Afrika führte. ( Aus der Verbindung von holländischen Farmern mit Nama-Frauen entstanden neue, unter dem Sammelbegriff Orlam zusammengefasste Mischlingsstämme, die im 19. Jahrhundert in der namibischen Geschichte eine große Rolle spielen sollte.)

In Südwest Afrika fanden die Nama zunächst in Hoachanas ein neues, gemeinsames Stammes- Zentrum; nach und nach lösten sich Stammesteile wegen der beengten Weideverhältnisse ab, ließen sich im weiteren Umfeld von Hoachanas nieder und bildeten dort neue Stämme - so die die Topnaar, die Fransman-Nama, die Veldschoendrager, die Bondelswarte, die Swartboois, die Tseibschen Nama, die Groote-doden und die Keetmanshooper Nama. Nur der als Rote Nation bezeichnete Hauptstamm verblieb in Hoachanas und stellte dort den Oberhäuptling - mit Weisungsrecht gegenüber allen anderen Nama-Stämmen mit Ausnahme der Bondelswarte in Warmbad und der Topnaars in der Walfischbucht. Dieses Weisungsrecht beinhaltete insbesondere das Recht, den anderen Stämmen Aufenthaltgebiete zuzuweisen, um auf diese Weise sicherzustellen, dass alle Stämme über ausreichendes Weideland und genügend Quellen verfügten. Den neun bereits in Südwest-Afrika siedelnden Nama-Stämmen gesellte sich um 1800 ein weiterer dazu: er hatte zuvor seinen Hauptsitz am unteren Oranje und war dort durch Händler und Alkohol in Armut geraten; obwohl es bereits eng im südlichen Teil von Südwest-Afrika zu werden drohte, wurde auch diesem Stamm vom Oberhäuptling Games - dem ersten und einzigen weiblichen Häuptling der Nama - ein Weidegebiet in der Nähe von Bethanien zugewiesen; der Stamm wurde dementsprechend fortan der Stamm von Bethanien genannt. In der Folgzeit allerdings wurde die Weidesituation zunehmend kritisch: einmal durch die infolge großer Dürre von Norden her nach Süden drängenden, zahlenmäßig weit überlegenen Herero und zum anderen durch die von Süden her nachrückenden Orlamstämme. Games jedoch verstand es, aus der Not eine Tugend zu machen, indem sie die Orlam - namentlich die Afrikaner unter ihrem Häuptling Jager Afrikaner - für ihre Ziele einspannte und sie gegen das Versprechen von Weideland zum Kampf gegen die Herero animierte. Der Plan ging insoweit auf, dass die Herero in zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen und Raubzügen bis auf die Höhe von Windhoek zurückgedrängt werden konnten. Dennoch aber gab es - insbesondere unter der Oberhäuptlingsschaft von Oasib - zunehmende Spannungen der Nama- und Orlamstämme untereinander, die sich nach anfänglichem Zusammengehen gegen die Herero schließlich in wechselnden Büdnissen durch kriegerische Auseinandersetzungen untereinander entluden ( der sog. Orlamkrieg). Erst in der Entscheidungsschlacht von 1867 gelang es dem Orlamstamm der Witbooi, die unter der Führung von Oasib verbündeten Nama-Stämme so nachhaltig zu schlagen, dass diese zum Orlamfrieden von Gibeon am 19. Dezember 1867 bereit waren. Dieses Datum markiert zugleich das Ende der Vorherrschaft der Roten Nation über die anderen Stämme und leitete eine längere Zeit der relativen Ruhe in Südwest-Afrika ein - nach der Entmachtung der Afrikaner gekrönt durch den 10- Jahresfrieden von Okahandja von 1870. Die damit den Herero zugewachsene Vormacht- Stellung und die zwischen Herero und Nama nach wie vor ungeklärte Grenzfrage führte 1880 erneut zu heftigen Stammeskriegen zwischen Nama, Herero und Orlam, wobei die Frontlinie durchaus auch zwischen den einzelnen Völkerstämmen verlaufen konnte.

Erst das nachhaltige Bemühen der Missionare und der Aufritt der ersten deutschen Kolonialbeamten, die in der Anfangszeit noch nicht über eine namhafte militärische Bedeckung verfügten, entspannte die Situation etwas, zumal die Deutschen vor allem an Landerwerb und dem Abschluss von Schutzverträgen auch mit den Nama (1885) interessiert waren. Eine weitere Rolle spielte das zunehmende Händlerwesen: die Händler brachten neben Alkohol vor allem Waffen und Munition ins Land, wodurch sich das Kräfteverhältnis zwischen den Stämmen unberechenbar veränderte. Vor allem aber mussten die Waffen und sonstigen Handelsgüter auch mangels Geld mit Rinderherden bezahlt werden. Dies förderte zwar den gegenseitigen Viehraub, ließ die Stämme jedoch zusehends verarmen, was ihre Bereitschaft und Fähigkeiten zur Kriegführung deutlich schwächte.

Andererseits traf der Versuch der deutschen "Schutzmacht", den unkontrollierten Zuwachs von Waffen zu unterbinden und die Kampfkraft der Stämme zu vermindern, auf den entschlossenen Widerstand der Betroffenen; so entwickelte sich aus dem Zähl- und Registrierungsvorhaben der Kolonialverwaltung bei den Bondelswarte- Nama in Warmbad im Oktober 1903 eine zwar ungeplante, aber dennoch heftige militärische Auseinandersetzung, die sich bis über das Jahresende hinzog und erst nach dem Einsatz von Verstärkungstruppen aus dem Norden des Landes am 27.Januar 1904 mit einem Sieg der Deutschen beendet werden konnte. Dadurch war das Zentrum des Landes ohne ausreichende militärische Besatzung, was es der Kolonialverwaltung in Windhoek unmöglich machte, auf die Anfänge des von Okahandja ausgehenden Hereroaufstandes vom Januar 1904 angemessen zu reagieren. Dies ermöglichte den Herero schnelle Anfangserfolge, was wiederum zu einer raschen Ausweitung des Aufstands beitrug. Dennoch wäre es verfehlt, den ad-hoc-Aufstand der Nama (Bondelswarte) bei Warmbad als geplanten und abgestimmten Beginn des Herero-Krieges zu werten. Am 28.Januar 1904 wird Hoachanas deutsche Garnison und verliert damit endgültig seine Rolle als Hauptstadt der Nama. Die Nama sind an den weiteren Auseinandersetzungen im Rahmen des Hereroaufstands nicht beteiligt, es sei denn als Hilfskräfte der deutschen Schutztruppe. Dies gilt in besonderem Maße für den Orlam-Stamm der Witbooi, der in der Schlacht am Waterberg aktiv auf deutscher Seite kämpfte. Erst nach dem Sieg über die Herero kam bei den Witbooi Unmut über die Vorgehensweise der deutschen Soldaten auf, was zur Entwaffung der fliehenden Witbooi und deren Verschiffung als Arbeitssklaven nach Deutsch-Ostafrika führte.

Wegen dieses Vorgangs kündigte Hendrik Witbooi den Beistandpakt mit den Deutschen und erklärte ihnen am 3.Oktober 1904 formell den Krieg. An dem sich anschließenden Nama-Aufstand in den Karasbergen beteiligten sich neben den Witbooi auch die Fransman-Nama unter Simon Koper und Jacob Morenga sowie versprengte Herero. Nach dem Tode Hendrik Witboois kapitulierten die Witbooi 1905; der Aufstand wurde jedoch von Jacob Morenga und Simon Koper bis zu deren Tod in den Jahren 1907 und 1908 fortgeführt. Etwa 2.000 Nama wurden auf der der Lüderitzbucht vorgelagerten Haifischinsel interniert. Wegen der dort herrschenden katastrophalen Haftbedingungen überlebten nur etwa 450 die Internierung.

Die Nama verloren durch diesen Krieg ca. 10.000 Stammesangehörige, d.h. sie wurden in ihrer Bestandzahl nahezu halbiert.

Sprache

Die Nama-Sprache gehört herkunftsentsprechend zu den Khoisan-Sprachen. Durch die charakteristische Lautung dieser Sprache mit ihren Schnalzern und Klickgeräuschen wurden sie von den Buren als Stotterer bezeichnet, woher das Wort Hottentotten stammt. Es wird von den Nama selbst immer als Ausdruck der Geringschätzung gesehen und daher im offiziellen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet, obwohl es von Unbeteiligten auch in nichtabwertender Weise als traditionelle Bezeichnung dieses Volkes gebraucht wird.

Heutige Verbreitung

Im südlichen Afrika leben heute ca. 100.000 Nama: zum einen in Namibia - dort in der südlichen Region Karas, dem früheren Namaland - und machen etwa 5% der namibischen Bevölkerung aus; zum anderen in den südlich angrenzenden Gebieten der Northern Cape-Provinz Südafrikas - im Namaqualand.

In den Literaturquellen werden die Volks- und Stammesbezeichnungen Nama, Rote Nation (auf Grund ihrer etwas rötlicheren Hautfarbe), Orlam, Witbooi und Afrikaner als Synonyme benutzt, was streng genommen nach Vorstehendem jedoch nur für die Nama und die Rote Nation zutrifft.

Linktipp


Namibian.org

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