Gästefarmen in Namibia (von Sibylle Stöhr)


Egal, ob man einen luxuriösen Urlaub in Lodges oder einen Zelturlaub plant: ein paar Tage auf einer namibischen Gästefarm sollte man sich nicht entgehen lassen. Eine bessere Gelegenheit, Land und Leute hautnah kennenzulernen, gibt es nicht. Man kann den Aufenthalt auf einer Gästefarm in etwa mit unserem “Urlaub auf dem Bauernhof” vergleichen. Wie in Deutschland, so bietet auch in Namibia der Tourismus den meist deutschstämmigen Farmern eine gute Gelegenheit, sich ein paar Namibische Dollar dazuzuverdienen. Gute Gästefarmen zeichnen sich aus durch persönliche Betreuung der Gäste, Farmprodukte (allen voran Lamm- und Wildspezialitäten wie Kudu, Oryx, Springbock; gekocht wird mit Kräutern aus dem eigenen Garten und zum Frühstück werden die Grapefruits frisch vom Baum gepflückt) und der Integration der Gäste in den Farmalltag. Man nimmt gemeinsam mit der Farmerfamilie die Mahlzeiten ein. Jede Farm hat ihr eigenes, köstliches Brotrezept. Und wo sonst kann man selbst gemachte Maulbeermarmelade oder Kaktusfeigensaft probieren? Die Gastgeber haben viel zu erzählen. Manchmal etwas eigen – die Einsamkeit hinterläßt doch ihre Spuren. Ein Farmer ist alleiniger Herrscher über ein eigenes Stück Land, der nächste Nachbar ist weit und so muss er kaum Kompromisse eingehen.

Leben und Alltag auf einer Farm - immer nur ein Id

Auf einer Gästefarm zu übernachten heißt, sich auf Leben und Alltag der Farmerfamilie einzulassen. Das Leben auf einer Farm ist keineswegs nur ein Idyll, sondern kann auch ganz schön hart sein. Man lebt autark, um für uns Europäer selbstverständliche Dinge wie Wasserversorgung und Strom muss man sich selber kümmern. So gibt es keine Stadtwerke, die man eben mal anrufen kann wenn der Strom nicht funktioniert oder die Wasserpumpe defekt ist. Man kann nicht einfach weg, mal eben ins Kino gehen oder Freunde/Familie treffen, wenn einem danach ist. Das wichtigste ist der Regen, der in den Sommermonaten, d.h. von Dezember bis März, sehnsüchtig erwartet wird. Der durchschnittliche Niederschlag liegt bei 233 mm pro Quadratmeter jährlich – im Vergleich: in München sind es durchschnittlich 960 mm. Apropos Wasser: Es wird mit Windmotoren aus dem Boden nach oben gepumpt und kann problemlos getrunken werden. Der Farmer fährt täglich raus aufs Feld, um dort nach dem Rechten zu sehen. Schafe müssen von einer Weidefläche in die nächste getrieben werden, ein defektes Wasserrohr muss repariert werden oder ein Schakal treibt sein Unwesen, kurz: eine Farm ist eine ewige Baustelle. Der Alltag auf der Farm richtet sich nach dem Sonnenstand, bei Morgendämmerung geht es raus, bei Sonnenuntergang beendet man sein Tagwerk – unterbrochen von einer Siesta. Für Mensch und Tier ist es zu heiß, sich in den Mittagsstunden groß zu bewegen, noch dazu ist Schatten rar im südlichen Afrika.

Fleisch ist mein Gemüse

Wie im gleichnamigen Roman von Heinz Strunk könnte auch so des Motto der namibischen Farmer lauten. Namibia ist Fleischland, Gemüse und Obst kann nur gedeihen wenn auch bewässert wird und spielt auf dem Speisezettel eine untergeordnete Rolle. Doch ohne ein herzhaftes Stück Fleisch kein richtiges Mittag- oder Abendessen. Für den Eigenbedarf wird vor Ort geschlachtet oder gejagt, so viel man gerade eben braucht. Lieblingsbeschäftigung der Namibier ist das Grillen, das sog. Braai. Ein Grillrost ist Standard an jedem Rast- und Campingplatz, Holz – meist vom Kameldornbaum - kann man vor Ort kaufen.

Leben und Arbeiten auf einer Gästefarm

Von Juli bis Oktober 2005 hatte ich die Gelegenheit, auf der Gästefarm Kiripotib www.kiripotib.com (“Platz, wo der Löwe säuft”) zu arbeiten. Über eine Anzeige in der Süddeutschen Zeitung bin ich nach Kiripotib gekommen, 160 km südöstlich von Windhuk in der unendlichen Weite der Kalahari. Das Farmerpaar, Hans und Claudia von Hase, ist seit 1978 auf der Farm und hat 2005 angefangen, Kiripotib als Gästefarm zu vermarkten. Zu meinen Aufgaben gehörte die komplette Gästebetreuung vom Empfang der Gäste mit frisch gepresstem Orangensaft bis zur Zusammenstellung des Speiseplans, die Organisation der Farmküche, Wanderungen in den Karubeamsbergen ebenso wie die Ausbildung der einheimischen Mitarbeiter oder Führungen über die Hausstelle. Kiripotib ist bekannt für seine Farmwerkstätten, in denen Teppiche und Wandbehänge hergestellt werden, man kann den Spinner/innen und Weber/innen über die Schulter schauen. Schmuck und erlesenes afrikanisches Kunsthandwerk findet man in der Farmgallerie. Einzigartig ist die kleine Kirche, die auf Kiripotib realisiert wurde: Die Mitarbeiter/-innen der Weberei, Spinnerei und der Farm haben mit Singabenden Geld für das Material (Holzpflöcke, Ziegel und Stroh für das Dach) gesammelt, beim Bau legen sie selbst Hand an. Arbeiter und Arbeiterinnen leben mit ihren Familien außerhalb der Farm auf der sog. Werft, wo sie Ihre eigenen Häuser mit Garten, Hühnern, Strom und Wasserversorgung besitzen.

(Autorin: Sibylle Stöhr)





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