Swakopmund

Swakopmund ist eine Stadt in Namibia mit rund 25.000 Einwohnern (Stand: 2005). Swakopmund liegt am Nordrand der Mündung des Trockenflusses Swakop, der nur selten Wasser führt, dann aber gelegentlich doch die Dünenbarriere an der Küste durchbricht und in den Süd-Atlantik fließt. Das milde Küstenklima macht die Stadt zu einem begehrten Ausflugsziel vieler Namibier (vor allem um Weihnachten und den Jahreswechsel herum, weil es dann im Landesinneren sehr warm werden kann), obwohl der Küstensaum meist vormittags nebelverhangen ist, eine Folgeauswirkung des aus antarktischen Gewässern kommenden kalten Benguela-Stroms.

Geschichte

Historische Bedeutung hatte die Stadt als Haupthafen der deutschen Kolonialverwaltung im damaligen Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika und als Haupthafen für Einwanderer aus Deutschland. Der eigentlich geeignetere Naturhafen von Walfischbucht stand unter englischer Verwaltung und der Naturhafen von Lüderitz lag abseits der Hauptzugangswege in das Landesinnere.

1793 Holländische Seefahrer ankern erstmals kurzzeitig an der Mündung des Swakop
1862 hisste die Besatzung des deutschen Kanonenbootes Wolf als Zeichen der Besetzung des Landes die deutsche Flagge an der Mündung des Swakop.
1892 Am 4. August 1892 markierte das deutsche Kanonenboot S.M.S. Hyäne mittels zweier Balken die möglich Landestelle für Schiffe nördlich der Mündung des Swakop und demonstrierte damit vor den Engländern in Walfischbucht den hoheitsrechtlichen Akt der Inbesitznahme dieses Küstenteils für den Bau eines Hafens durch das Deutsche Reich. Am 12. September 1892 gründete der damalige Reichskommissar und Befehlshaber der Schutztruppe, Hptm Curt von Francois , den Ort und legte damit den Grundstein zur Ansiedlung von militärischen und zivilen Einrichtungen.
1893 landeten hier erstmals- unter abenteuerlichen, weil lebensgefährlichen Umständen - 225 Soldaten als Verstärkung für die Schutztruppe . Die Deutschen begannen, unter hohen Kosten einen künstlichen Hafen anzulegen, um von See her den Nachschub für das Landesinnere heranschaffen zu können.
1894 Die Hamburger Reederei Woermann nimmt einen regelmäßigen Frachtverkehr auf. In den kommenden Jahren wurde alles, was von der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika benötigt wurde, über Swakopmund eingeführt.
1899 Am 13. April 1899 wurde die erste Telegraphendienststelle im internationalen Dienst eröffnet. Von da ab begann der Bau umfangreicher Telegraphenlinien in der Kolonie.
1902 wurde mit dem Bau einer Landungsbrücke begonnen. Zuerst wurde sie aus Holz errichtet, um dann 1912 aus Eisen neugebaut zu werden. Die beliebte Brücke wird von den Swakopmundern Jetty genannt.
Am 20. Juni und 1. Juli 1902 wurde die erste deutsch-südwestafrikanische Eisenbahn von Swakopmund nach Windhuk durch die dort 100 km breite Sandwüste (Namib) eröffnet. (382 km lang; bis auf 1.637 m ü. M. ansteigend). Der Bahnbau einschließlich des Baues der Bahnhöfe in Swakopmund und Windhoek war durch Eisenbahntruppen aus dem Deutschen Reich begonnen worden.
1909 Swakopmund erhält das Stadtrecht.
1912 Die Küstenfunkstation wird am 4. Februar 1912 in Dienst gestellt.
1914 23. September, 24. September und 30. Oktober 1914: Beschießung von Swakopmund durch englische Hilfskreuzer.

Wirtschaft

Die Wirtschaft des Ortes liegt wesentlich in den Händen der hier seit langer Zeit ansässigen deutschstämmigen Einwohnern. Dies wird schon an der Vielzahl der im Stadtkern vorhandenen Bauten aus der deutschen Kolonialzeit, an den vielen Geschäften mit deutsch klingenden Namen und an der einem im Geschäftsleben überall begegnenden deutschen Sprache deutlich. Dabei ist der Tourismus-Sektor und der damit verbundene Handel der wohl wichtigste Zweig der Swakopmunder Wirtschaft - gespeist nicht nur durch die zahlreichen Touristen vor allem aus Europa, sondern auch durch den innernamibischen Tourismus und den Umstand, dass Swakopmund dank seiner günstigen klimatischen Verhältnisse ein bevorzugtes Refugium für wohlhabende namibische oder südafrikanische Ruheständler ist. Ein großangelegtes städtebauliches Projekt (die "Waterfront") soll in den nächsten Jahren das Hafengebiet zusätzlich aufwerten und zu einem attraktiven Tourismusmagneten werden lassen.

Verkehrsanbindung

Swakopmund ist über eine gut ausgebaute Teerstraße, den hier beginnenden und bis nach Mosambik führenden Trans Kalahari Highway, mit Windhoek und der nahegelegenen Hafenstadt Walfischbucht verbunden.

Vom Swakopmunder Flugplatz besteht eine tägliche, von der Air Namibia unterhaltene Verbindung nach Windhuk mit kleineren Propellerflugzeugen. In unregelmäßigen Abständen gibt es Flüge nach Lüderitz und weiter nach Kapstadt .

Seit 1902 ist die Küsten-Stadt mit Walfischbucht und Windhuk durch eine Schmalspureisenbahn verbunden, auf der immer noch einmal am Tag ein Güterzug verkehrt. In unregelmäßigen Abständen fährt der Shongolo Express, ein hauptsächlich touristischen Zwecken dienender Luxuszug, in die Hauptstadt.

Bevölkerung

Die meisten Bürger der Stadt leben außerhalb des Stadtzentrums, in den Vororten Kramersdorf, Vineta, Tamariskia und Mondesa. Kramersdorf ist das Villenviertel der Weißen, in Vineta leben gutsituierte Weiße und mittlerweile auch einige schwarze Namibianer. Tamariskia ist das Farbigen-Viertel und Mondesa das 1960 gegründete Reservat für ursprünglich schwarze Namibianer. Bis zu der Zeit hatte die Schwarzen inmitten der Stadt gelebt.

Obwohl nur noch etwa 20 Prozent der Einwohner deutscher Abstammung sind, ist ihr Einfluss auf das Stadtleben nicht zu verkennen. Swakopmund gilt bis heute als deutscheste Stadt Namibias, woran auch die Umbenennung der ursprünglich deutschen Straßennamen in "zeitgenössisch afrikanische" nicht wirklich etwas geändert hat. Die wohl einzigartige Mischung aus deutschem Nordseebad, afrikanischer Bevölkerung und wüstenhafter Umgebunge machen Swakopmund zu einem immer beliebter werdendes Touristenziel für Gruppenreisende und Individual-Touristen aus aller Welt. Hiervon zeugt nicht zuletzt die außerordentlich rege Bautätigkeit, die Swakopmund in wenigen Jahren um mehrere Kilometer nach Norden hat wachsen lassen.

Sehenswürdigkeiten

Das Swakopmund Museum zeigt Exponate zur Archeologie, Mineralogie, Botanik, Ur- und Frühgeschichte und der deutschen Kolonialgeschichte. Daneben gibt es eine Ausstellung über die Menschen Namibias. Geöffnet ist das Museum täglich von 10:00-13:00 und 14:00-17:00 Uhr. Nicht weit davon entfernt steht der Leuchtturm, der von Baustil und Farbe her genau so auch an der Nordsee stehen könnte.

Ein Hallenschwimmbad mit 50-m-Sportbecken und ein Freibad runden die Attraktionen in Strandnähe ab. (Das Baden im nahen Atlantik ist zwar möglich, aber wohl doch nur besonders abgehärteten Sportlern zu empfehlen, da der kalte Benguela-Strom dafür sorgt, dass die Wassertemperaturen 15° nur selten überschreiten. Trotzdem sieht man täglich ältere Damen und Herren beim morgendlichen Bad in den teilweise beeindruckenden Wellen.

Das Meeres Aquarium ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10:00 - 16:00h geöffnet und zeigt u.a. Haie, die um 15:00h gefüttert werden.

Weitere besondere Sehenswürdigkeiten in fußläufiger Entfernung vom Strand sind das "Marinedenkmal", das "Alte Amtsgericht" (1908), das "Bezirksgericht" (Sommersitz des Präsidenten), der "Kristall-Palast" (ein neu erbautes Mineralienmuseum), die Einkaufspassage an der Sam Nujoma Avenue, das "Hohenzollernhaus", die "Pionierkaserne" (1905) und das "Lazarett" an der Lazarettstraße, das "Woermann-Haus" (1894/1903) und der alte "Bahnhof" (1901) - ein ebenfalls von der deutschen Schutztruppe ganz im Stil der damaligen Zeit erbauter Zweckbau, der jedoch zum Luxus-Hotel umgebaut wurde und heute Zentrum einer Casino- und Entertainment-Anlage ist.

Sehenswert ist auch die 1911 gebaute Kirche und das Pfarrhaus der Deutschen Lutherischen Gemeinde im neubarocken Stil. Jeden Sonntag finden dort Gottesdienste in deutscher Sprache statt.

Am Stadtrand steht ein altes Dampf-Lokomobil; es war dazu gedacht, Güter von Swakopmund nach Windhuk zu transportieren. Das funktionierte auch einige Zeit, bis ein Ventil brach und nicht repariert werden konnte. So blieb das Lokomobil trotz aller Reparatur-Versuche für immer hier liegen. Das brachte ihm den Namen Martin Luther ein, da dieser beim Reichstag zu Worms gesagt haben soll: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders".



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