Tsumeb

Tsumeb ist eine Minenstadt und die Hauptstadt der Oshikoto-Region in Namibia. Sie liegt ca. 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhoek im sogenannten "Maisdreieck" ( einer für namibische Verhältnisse besonders fruchtbaren Region ) und 1.310 Meter ü.d.M..

Die Bevölkerung wird mit ca. 12.000 angegeben (Stand 2005 ), wobei ein erheblicher Überhang an Männern besteht. Die Bevölkerung ist wie in vielen anderen Gegenden Namibias ethnisch heterogen: Nama, Damara, Herero, Owambo, Deutsche, Afrikaaner (Buren) und Portugiesen leben hier.

Geschichte


Train near Tsumeb (Namibia), private photo, about 1931

Ursprünglich war das Gebiet um Tsumeb von San (Buschleuten) bewohnt. Sie waren auch die Entdecker der hier dicht unter der Erdoberfläche lagernden Kupfererz-Vorkommen und in der Lage, aus diesen Erzen im sogenannten "Termitenofen-Verfahren" ( dabei wurden Termitenhügel wegen ihres besonderen Belüftungssystems als einfache Hochöfen benutzt ) Kupfer zu gewinnen und zu verarbeiten. Daraus entwickelte sich ein schwunghafter Kuper-Handel mit den nördlich siedelnden Ovambo, die aus dem Metall kunstvolle Ringe und Halsketten schmiedeten.

Die Nachricht von diesen Erzvorkommen blieb natürlich auch den Weißen nicht verborgen. So wurden seit Anfang des 19.Jahrhunderts mehrere Expeditionen in das Otavi-Bergland unternommen, um die Erzvorkommen und deren Abbaumöglichkeiten zu erkunden. Letztlich scheiterten all diese Versuche an den fehlenden bzw. zu aufwändig erscheinenden Transportwegen.

Erst nach Übernahme der Gebietsverantwortung durch die Deutschen begann eine planmäßige Erkundung der Erzlagerstätten, da man sich von deren Nutzung eine Verbesserung der bisher negativen Leistungsbilanz der deutschen Kolonialpolitik versprach. 1893 erhielt die South West African Company die Minenrechte über diese Fundstätten. 1899 begann die planmäßige Erschließung der Minen durch englische Ingenieure und nach Gründung der deutsch-englischen Otavi-Minen-und Eisenbahn-Gesellschaft ( OMEG ) - einer Tochtergesellschaft der South West African Company - am 6. April 1900 der gewerbsmäßige Abbau. Ende 1900 wurde die erste Ladung Erz mit Ochsenwagen nach Swakopmund gebracht, um von dort aus mit der Woermann-Linie nach Europa transportiert zu werden. Die reichen, nicht nur auf Kupfer beschränkt bleibenden Erzvorkommen ( u.a. wurden auch Blei und Zink sowie über 200 weitere, zum Teil nur hier vorkommende Mineralien entdeckt ) einerseits und die so beschwerlichen Transportwege andererseits machten den Bau einer Eisenbahn-Strecke nach Swakopmund unabwendbar. Deren Bau, der unter Zwangsverpflichtung hier ansässiger Herero und Ovambo in Angriff genommen wurde, war einer der Gründe für den 1904 in Okahandja beginnenden Hereroaufstand , zumal die für den Eisenbahn-Bau notwendige Landnahme ohne Zustimmung der hier zuständigen Hereroführer erfolgte.

1906 war die Eisenbahn-Strecke fertiggestellt, was der Mine und damit Tsumeb zu einem schwunghaften Aufstieg verhalf. In der Folgezeit wurden viele afrikanische Kontraktarbeiter, zwangsverpflichtete Arbeiter und auch viele Europäer zur Bewirtschaftung der Mine in Tsumeb angesiedelt. Die reichen Mineralienfunde - in geringen Mengen wurde auch Gold gefunden - brachten auch Glücksritter und Abenteurer in den Ort, so dass Tsumeb eine sehr unruhige und wilde Zeit erlebte. Seit 1907 versorgt eine Hochdruckwasserleitung die Stadt mit Wasser.

Der 1.Weltkrieg brachte einen deutlichen Rückschlag für die Mine mit sich; aber auch Tsumeb erlebte stürmische Zeiten, weil sich hier Kriegflüchtlinge aus dem ganzen Lande und schließlich auch der Rest der deutschen Schutztruppe und der letzte Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika , Dr. Seitz, sammelten. Die Orte Tsumeb, Grootfontein und Khorab waren von einer Übermacht von über 60.000 südafrikanischen Soldten eingeschlossen. Die Kapitulation erfolgte am 9. Juli 1915 unweit von Tsumeb an der Eisenbahnlinie zwischen Otavi und Khorab. Zuvor hatten die deutschen Soldaten eine große Zahl von Waffen und militärischem Gerät im nahen Otjikotosee versenkt, damit es dem Feind nicht in die Hände fallen sollte. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurde ein Teil dieses Kriegsgutes von privaten Tauchern geborgen und bildete nach aufwändiger Restauration zusammen mit zahlreichen anderen Exponaten den Grundstock des sehenswerten Museums von Tsumeb.

Heutige Situation

Die Weltwirtschaftskrise und der 2. Weltkrieg gingen auch an Tsumeb nicht spurlos vorüber. Beides führte zur Stagnation in der Entwicklung von Mine und Stadt - verschärft durch den Verfall der Rohstoffpreise. Nach der Unabhängigkeit Namibias führten mehrere, teils gewaltsame Arbeitskämpfe zum weiteren Niedergang und schließlich sogar zur Teil-Schließung der Mine. Die Fördertürme sind zwar noch immer deutlich sichtbare Wahrzeichen der Stadt, aber zu einem Großteil nicht mehr in Betrieb. Dafür hat sich Tsumeb inzwischen durch die planmäßige Anpflanzung von Jacaranda-Bäumen und deren prachtvolle Blüte im namibischen Frühjahr den Ruf einer Gartenstadt erworben - ein Ruf allerdings, der den infolge Minenschließung zahlreichen Arbeitslosen des Ortes kaum ein Trost sein wird.

Der durchschnittliche jährliche Regenfall beträgt etwa 550 Millimeter, was deutlich über dem namibianischen Durchschnitt liegt und daher auch Ackerbau erlaubt ( daher der Name "Maisdreieck").

Es existieren regelmäßige Zugverbindungen nach Windhoek, Swakopmund und Walvis Bay.



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