In allen Ländern des Südlichen Afrika ist die Arbeitslosenquote extrem hoch. 20 bis 30 Prozent sind „normal“, zum Teil erreicht die Quote sogar 50 Prozent. Bedarf an ausländischen Arbeitskräften besteht darum eigentlich nicht. Lediglich besonders hoch qualifizierte Kandidaten, die Spezialkenntnisse bieten können, die im Land selbst nicht vorhanden sind, haben gute Chancen. Andere Bewerber brauchen viel Glück.



Was die einzelnen Länder ausländischen Bewerbern an Jobmöglichkeiten zu bieten haben, ist recht unterschiedlich. In Südafrika mit seiner guten Infrastruktur sind die Möglichkeiten am ehesten gegeben. Auch Namibia, Angola und Tansania können Anlaufstellen für stellensuchende Ausländer sein. Botswana dagegen hat nur wenige Einwohner, dadurch auch wenig Industrie und folglich so gut wie keine Jobs für Ausländer. Auch Sambia, das sehr arm ist, bietet nur Entwicklungshelfern Arbeitsmöglichkeiten. Allen Staaten weitgehend gemein ist aber, dass es für ausländische Arbeitskräfte, die nicht von einer Firma oder Organisation dorthin entsandt worden sind, schwierig ist, eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten.

Aussichten für Ingenieure und Handwerker

Generell können sich Ingenieure Hoffnungen auf eine Anstellung im Südlichen Afrika machen. Vor allem, wenn sie sich auf die Bereiche Umwelttechnik, Telekommunikation oder erneuerbare Energien spezialisiert haben, gelten sie als interessante Bewerber. Andere akademische Berufe haben außerhalb von Südafrika und Namibia nur geringe Chancen. Wenig Aussichten gibt es auch für Interessenten aus dem kaufmännischen Bereich, egal ob studiert oder mit Berufsausbildung.

Für Fachkräfte mit einer Ausbildung in Handwerk oder Technik wiederum stehen die Chancen mit Ausnahme von Südafrika, das selbst über sehr gute Handwerker verfügt, nicht so schlecht. Die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) kann auch ihnen mitunter Ausschreibungen bieten, etwa für Fliesenleger, Optiker, Schweißer oder Bäcker. Für Handwerker gilt zum Beispiel Angola als besonders Erfolg versprechendes Land.

Als Koch oder Banker nach Afrika

Von der Zentralen und Internationalen Management- und Fachvermittlung für Hotel- und Gaststättenpersonal (ZIHOGA), einer Einrichtung der Bundesanstalt für Arbeit, werden hin und wieder Mitarbeiter für den Bereich Housekeeping/Rezeption gesucht. Dazu gehören zum Beispiel Köche und Rezeptionistinnen für „Lodges“ und Safarihotels. Deutsche Köche sind dort gefragte Spezialisten.

Die Dienstleistungsbranche macht auch im Südlichen Afrika von sich reden. Vor allem in Tansania etablieren sich viele Banken und Versicherungen. Bei diesen Institutionen oder auch bei Beratungsunternehmen finden sich für Ausländer interessante Möglichkeiten.

Für die kommenden Jahre rechnet Südafrika übrigens mit einem Mangel an Fachkräften im pflegerischen und medizinischen Bereich. Ob sich dadurch gute Chancen für Ausländer ergeben werden, ist heute jedoch noch nicht absehbar. Denn es bleibt fraglich, ob die Hürden für den Erhalt einer Arbeitsgenehmigung gelockert werden und wie die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse zukünftig gehandhabt wird. Zurzeit werden deutsche Abschlüsse häufig nicht anerkannt (Anerkennung von Abschlüssen).

Schwere Prüfung: Arbeitsgenehmigung

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in den Ländern des Südlichen Afrika wollen die Staaten zunächst einmal ihre eigenen Bürger in Arbeitsverhältnisse bringen, bevor Ausländer eingestellt werden. Die bürokratischen Hürden für eine Arbeitsaufnahme - Ausnahme: von ausländischen Firmen entsandte Mitarbeiter - sind darum sehr hoch.

Beispiel Südafrika: Wer im Land am Kap der Guten Hoffnung eine Arbeitsgenehmigung beantragen möchte, muss zunächst einmal einen Job vorweisen können. Ohne festes Arbeitsangebot läuft gar nichts. Die Anträge auf Arbeitsgenehmigung müssen bereits von Deutschland aus bei der Südafrikanischen Botschaft in Berlin gestellt werden. Das Arbeitsangebot muss dem Antrag gleich beigefügt werden. Einreisen darf man erst, nachdem die Arbeitsgenehmigung erteilt worden ist.

Den Antrag auf permanenten Wohnsitz kann man dann aber auch von Südafrika aus stellen. Erteilt wird eine Aufenthaltsgenehmigung jedoch nur, wenn die Einwanderung als vorteilhaft für die südafrikanische Wirtschaft angesehen wird. Kriterien dafür sind: die Schaffung von Arbeitsplätzen für Südafrikaner, besondere Fähigkeiten des Antragstellers sowie seine finanzielle Unabhängigkeit. Kurzfristige Änderungen der rechtlichen Bedingungen sind übrigens immer möglich. Darum sollten sich Einreisewillige unbedingt frühzeitig mit der Botschaft oder einem Konsulat in Verbindung setzen.

Alle Anforderungen erfüllt?

Doch bevor der ausländische Mitarbeiter sein Arbeitsangebot in den Händen hält, hat auch der südafrikanische Arbeitgeber schon einiges an Behördengängen hinter sich: Wer beabsichtigt, einen Ausländer anzustellen, muss zunächst einmal beim Innenministerium Südafrikas eine Genehmigung dafür beantragen. Ob sie erteilt wird, hängt unter anderem davon ab, ob die Stelle in geeigneter Weise ausgeschrieben war, ob der Arbeitgeber nicht einen südafrikanischen Bewerber dafür hätte einstellen oder ausbilden können, ob Vermittlungsfirmen eingeschaltet wurden - für alle Kriterien müssen gute Begründungen oder Nachweise erbracht werden.

Expertentipp: Beachten Sie die immigrationsrechtliche Bestimmungen unbedingt sehr sorgfältig, und lassen Sie sich am besten von einem einheimischen Anwalt beraten. Wer Fehler bei der Antragstellung begeht, hat in vielen Ländern seine Chance vertan und wird abgelehnt oder muss zumindest besonders lange auf seine Arbeitserlaubnis warten. (Joergen Vogt, Lokal Manager Southern Africa, Afrika-Verein)

Wer für ein bezahltes Praktikum nach Südafrika einreisen will, braucht ebenfalls eine Arbeitserlaubnis - das bedeutet für den Praktikanten genauso wie für seine Host-Firma einen ähnlich hohen bürokratischen Aufwand wie ihn die Einstellung von „richtigen“ Mitarbeitern mit sich bringt. Für ein unbezahltes Praktikum reicht dagegen eine so genannte Visitor Permit. Ansprechpartner für Visa für Praktikanten sind ebenfalls Südafrikas Vertretungen in Deutschland.

Deutsches oder afrikanisches Gehalt?

Die Gehälter im Südlichen Afrika sind niedriger als in Deutschland. In Südafrika verdient ein akademischer Berufseinsteiger beispielsweise etwa 6000 Rand, was rund 1000 Euro entspricht. Allerdings sind die Kosten für die Lebenshaltung auch deutlich geringer, so dass der aus Deutschland gewohnte Lebensstandart in etwa gehalten werden kann.

Von deutschen Unternehmen entsandte Mitarbeiter stehen nicht nur in Sachen Arbeitsgenehmigung gut da: Sie kommen außerdem in den Genuss des deutschen Gehalts und der in Deutschland üblichen sozialen Absicherung. Außerdem ist es für sie wesentlich einfacher, wieder nach Deutschland zurückzuwechseln.

Gesetzliche Krankenversicherungen gibt es nicht. Welche Unterstützung der Arbeitgeber bei der privaten Vorsorge bietet, ist oft Verhandlungssache. In Südafrika bezahlt der Arbeitgeber in der Regel die Hälfte der Krankenversicherungsprämien für seine Angestellten. In anderen Ländern des südlichen Afrikas ist das nicht unbedingt üblich. Deutsche Mitarbeiter sollten auf jeden Fall eine private Krankenversicherung abschließen, speziell für den Fall, dass ein Heimflug notwendig werden könnte.

So kommt man gut an...

Europa und Afrika sind sich gar nicht so unähnlich. In Sachen Mode, Musik oder Religion etwa gibt es große Überschneidungen. Neue Mitarbeiter finden sich dort in der Regel leichter zurecht als dies Europäer im asiatischen Raum tun. Entscheidend ist, sich als neuer Kollege auf die Kultur einzulassen, offen und freundlich aufzutreten - und nicht ungehalten zu reagieren, wenn den für Deutschland üblichen Erwartungen an Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit nicht entsprochen wird. Von afrikanischer Seite wird oft die menschliche Kühle ausländischer Kollegen kritisiert - hier kommt man sicher besser zurecht, wenn man hin und wieder einmal von der absoluten Geschäftsmäßigkeit abrückt.


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