Geschichte

1908 wurde Mogadischu, das bis dahin unter der Oberhoheit von Oman oder Sansibar gestanden hatte, Hauptstadt der neueingerichteten italienischen Kolonie. Bis 1920 hatten die Briten in ihrem Somaliland-Protektorat den antikolonialen Aufstand des Muhammad ibn Abd Allāh Hassān niedergeschlagen.

Obwohl die Italiener von Somalia aus 1934 Äthiopien (Ogaden) überfallen hatten (Italienisch-Äthiopischer Krieg 1935-36), gaben die 1941 siegreich einmarschierenden Briten 1950 diese Kolonie ausgerechnet Italien als UN-Treuhandgebiet zurück.

Nach längeren Verhandlungen kündigte die britische Regierung am 7. Mai 1960 für den 1. Juli 1960 die Unabhängigkeit für das Schutzgebiet an. Die beiden Kolonien Italienisch-Somaliland und Britisch-Somaliland schlossen sich zur Republik Somalia zusammen.

1964-67, vor allem aber 1976-78 unterlag Somalia Äthiopien im Krieg um die von Somalis bewohnte äthiopische Region Ogaden.

Zu Beginn der 1990er Jahre kam es zu blutigen Unruhen. Aktuelle wirtschaftliche Daten über Somalia liegen nicht vor. Der Staat hörte im Jahre 1991 de facto auf zu existieren und spaltete sich in zwölf durch Warlords beherrschte Stämme sowie den unabhängigen Staat Somaliland im Norden auf.

Im August 1992 bemühten sich die Vereinten Nationen, die mehr als 2 Millionen hungernden Menschen des Landes mit Lebensmitteln zu versorgen. Am 8. Dezember landeten 28.000 UN-Soldaten unter US-amerikanischer Führung in Somalia, um die Nahrungsversorgung zu sichern (Operation Hoffnung).

Nachdem einige Kriegsfürsten gegen Ende des Jahres 1992 zum Frieden aufgerufen hatten, verschärfte sich die Situation 1993 erneut, als 23 pakistanische UN-Soldaten von Rebellen des Clanführers Mohammed Farah Aidid getötet wurden. Ab April wurden dann auch erstmals deutsche Soldaten eingesetzt, deren Aufgabe es war, indische UN-Brigaden mit Nachschub zu versorgen. Die Lage verschlechterte sich jedoch. Die Inder erschienen nicht, weswegen die Aufgaben der Bundeswehr nicht erfüllt werden konnten.

Andere Soldaten wurden inzwischen in blutige Kämpfe verwickelt, wobei auch mehrere Somalier getötet wurden. Für weltweites Entsetzen sorgten am 3. Oktober 1993 die Bilder der nackten Leichen zweier US-Soldaten (Master Sergeant Gary I. Gordon und Sergeant First Class Randall D. Shughart), die von einer aufgebrachten Menge durch die Straßen Mogadischus geschleift wurden (in der sogenannten Operation Irene, die 2002 in "Black Hawk Down" verfilmt wurde). Am 3. März 1995 wurde die UN-Mission schließlich mit dem Abzug aller Blauhelm-Soldaten erfolglos beendet. Der Bürgerkrieg in Somalia wurde fortgesetzt.

Derweil bemühen sich Kräfte, in Somalia wieder eine Regierung zu etablieren. Seit dem 13. August 2000 wird das Land von einer so genannten Übergangsregierung provisorisch "regiert" (ohne Somaliland).

Die Intergovernmental Authority on Development (IGAD), gehalten durch die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten, hielten 2002 eine Konferenz namens "National Peace and Reconciliation Conference" in Eldoret, Kenya. Dies war bereits der 14. Versuch der Vereinten Nationen und ihrer Unterstützer, Somalia unter eine demokratische Regierung nach westlicher Art zu zwingen. Der neue Staat wird Demokratische Republik Somalia (somali Jamhuuriyadda Dimoqraadiya Soomaaliya, arab. Dschumhūriyyat as-Sūmāl ad-Dīmuqrātiyya جمهورية الصومال الديمقراطية) genannt.

Eine "Reconciliation Conference" erreichte 2004 eine Übereinkunft über eine "nationale Regierung” für Somalia. Die Afrikanische Union autorisierte Äthiopien und vier andere ostafrikanische Nationen um Truppen in der Stärke von 7'500 Mann zu stellen.

Seit Ende 2004 ist der "Machthaber" der ehemals separatistischen Region "Puntland" deren Präsident. Neue Hauptstadt soll Baidoa in Südwestsomalia werden.

Die sehr ans Gewohnheitsrecht und an die nomadische und islamische Kultur gebundene somalische Bevölkerung verwehrt sich in weiten Teilen des Landes trotz dieser internationalen Bemühungen gegen die Wirksamkeit einer neuen Regierung.

Am 26. Dezember 2004 wurden die Küsten des Landes von einem Tsunami heimgesucht, der nach offiziellen Angaben mindestens 132 Menschen tötete und viele Tausende obdachlos machte. (Siehe auch: Erdbeben im Indischen Ozean 2004)

Am 26. Oktober 2005 haben islamische Geistliche in Mogadischu eine "Fatwa" veröffentlicht, die sich gegen die Beschneidung bzw. Genitalverstümmelung an Mädchen richtet. Darin wird die in Afrika weit verbreitete traditionelle Praxis als "unislamisch" verurteilt. Sheich Nur Barud Gurhan, der stellvertretende Vorsitzende der Dachorganisation somalischer Geistlicher, setzte die Beschneidung mit einem Mord gleich. Zur Durchsetzung wird die Fatwa wohl kaum kommen, da das Land von Clanchefs beherrscht wird.

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