Herrschaft von Numeiri

Schon am 25. Mai 1969 gibt es einen neuen Putsch. Diesmal unter Oberst Dschafar Muhammad an-Numeiri (* 1930), der in der Folge die Sudanesische Sozialistische Union (SSU) als alleinige Partei im Staate installiert. Er nähert sich außenpolitisch der Sowjetunion an und verstaatlicht 1970 ausländische Banken und Unternehmen. Seine Politik richtet sich zunächst am damaligen panarabistischen Vorbild Gamal abd an-Nassir aus.

Am 19. Juli 1971 kommt es zu einem kommunistischen Putschversuch im Sudan: Linke Kräfte in Numeiris Revolutionsrat rebellieren gegen dessen nationalrevolutionären Flügel. Numeiri kann den Putsch am 22. Juli des Jahres mit Hilfe Libyens und Ägyptens niederschlagen. Es folgen Verhaftungen, Hinrichtungen und diplomatische Konflikte mit Moskau. Am 10. Oktober 1971 wird Numeiri zum Staatschef gewählt.

1972 erreicht er mit dem aufständischen Süden das Friedensabkommen von Addis Abeba. Der Süden erhält eine Autonomie; eine Amnestie für die Rebellen und Wirtschaftshilfe für den armen Süden werden versprochen. Am 13. Juni 1972 nimmt der Sudan wieder seine diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland auf. Am 25. Juli auch wieder zur USA. Dies wird im Westen als außenpolitische Öffnung Sudans begrüßt, im Ostblock hingegen als Hinwendung zum Imperialismus gewertet.

Am 14. April 1973 gibt es eine neue Verfassung für den Sudan. Der Islam wird als Staatsreligion verankert, das Christentum als Minderheitenreligion anerkannt, dem Süden die Autonomie versichert – und das alles unter Führung der SSU als alleiniger verfassungsmäßiger Staatspartei. Tatsächlich wird am 22. Oktober eine Autonomieregierung des Südsudan eingerichtet.

1976 gibt es einen weiteren Putschversuch, der aber fehlschlägt. Numeiri beschuldigt Libyen der Urheberschaft und schließt am 15. Juli ein Beistandsabkommen mit Ägypten. Die Beziehungen zur Sowjetunion verschlechtern sich zunehmend. Diplomatische Kontakte werden minimiert.

Am 14. August 1977 werden diverse Exilpolitiker rehabilitiert und dürfen wieder in den Sudan kommen. Sadiq al-Mahdi versöhnt sich mit Numeiri und löst seine Nationale Front kurzerhand auf. Im Gegenzug verspricht Numeiri politische Teilhabe unter dem Dach der SSU.

Vom 12. bis 21. Januar 1979 tagen die Parlamente Ägyptens und des Sudans gemeinsam. So soll der Schulterschluss der beiden Staaten auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet unterstrichen werden. 1981 verschlechtern sich die Beziehungen zu Libyen weiter, weil Sudan bei dessem Engagement im benachbarten Tschad auf der anderen Seite steht. 1982 kommt es zu weiteren Vereinbarungen der engen Zusammenarbeit mit Ägypten in der Nilregion.

1983 begehrt der Südsudan erneut auf. Beobachter gehen davon aus, dass diesmal ethnische Streitigkeiten vorgeschoben sind, und es vielmehr um die dort entdeckten Erdöllagerstätten geht. Hinzu kommt die Einführung der Schari'a am 9. September des Jahres. Die SPLA unter John Garang nimmt im Süden ihren Widerstandskampf zur "Befreiung des Sudan" auf. Sie wird von Äthiopien logistisch unterstützt und sieht sich selber nicht als separatistisch.

Im April 1984 wird der Ausnahmezustand verhängt. Numeiri nähert sich immer mehr den Muslimbrüdern unter dem religiösen Führer Hassan al-Turabi an. Wichtigster Oppositionsführer wird wieder Sadiq al-Mahdi, der sich auf den Nimbus seines Vorfahren, den mächtigen al-Mahdi aus dem 19. Jahrhundert (siehe oben) berufen kann und als moderater Vertreter des Islam gilt. Er führt die Umma-Partei an und gründet die Ansar-Brüderschaft.

Sowohl die Bevölkerungsmehrheit als auch die Nationalversammlung lehnen Numeiris Islamisierungspolitik ab. Es kommt zum Eklat, als sich Numeiri offiziell als Imam ausrufen und Sudan als islamischen Staat umtaufen lassen will, und die Nationalversammlung ihm die Zustimmung verweigert.

Am 18. Januar 1985 wird der 76jährige reformorientierte religiöse Führer Mahmud Taja (Republikanische Bruderschaft) wegen Häresie hingerichtet. Als US-Vizepräsident George H. W. Bush im März im Sudan weilt, kritisiert er Numeiris Islamisierungskurs angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftslage des afrikanischen Landes. Daraufhin werden Turabi und weitere Muslimbrüder plötzlich verhaftet.

6. April 1985: Sturz Numeiris: Numeiri wird nach Unruhen und der Drohung mit Generalstreik in Khartum durch einen unblutigen Militärputsch gestürzt. Numeiri befindet sich zu der Zeit in den USA bei einem Staatsbesuch. Der provisorische Militärrat (TMC) unter Swar ad-Dahab übernimmt die Macht und ernennt eine Übergangsregierung. Trotz Friedensangebots geht der Kampf der SPLA im Süden weiter, während sich im Norden Widerstand gegen die Reform der unter Numeiri geschaffenen Herrschaftsstrukturen formiert.

Außenpolitisch orientiert sich die neue Regierung wieder stärker an Libyen und der Sowjetunion, und nimmt auch wieder diplomatische Beziehungen zum Iran auf, was die USA mit Sorge betrachten. Am 10. Oktober schließlich, wird eine Übergangsverfassung eingesetzt und Wahlen ausgeschrieben.

Vom 1. bis 12. April 1986 gibt es allgemeine Wahlen im Sudan, an denen sich 40 Parteien beteiligen. Wegen der anhaltenden Kämpfe im Süden wird dort in dutzenden Wahlkreisen nicht gewählt. Die Umma-Partei (UP) von Sadiq al Mahdi bekommt 99 Sitze, die Demokratische Unionspartei (DUP) 63; und die Nationale Islamische Front (NIF) unter Hassan Turabi 51.

Sadiq al-Mahdi wird am 15. Mai Ministerpräsident der Koalitionsregierung aus UP und DUP. Die Muslimbruderschaft, die unter dem Dach der NIF agiert, kann durch ihre parlamentarische Stärke verhindern, dass die Schari'a wieder komplett aus dem sudanesischen Rechtswesen verschwindet.

Derweil kann die SPLA weiter Boden gut machen und Vermittlungsbemühungen zwischen al-Mahdi und dem SPLA-Führer John Garang in Addis Abeba scheitern. Die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechtert sich zunehmend.

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