Khartum


Blick auf den Verkehr der Stadt Khartum (2003)

Khartum (arabisch: al-Chartūm, englische Schreibweise Khartoum, deutsch: der Elefantenrüssel) ist die Hauptstadt der Republik Sudan als auch des Bundesstaates Al-Chartum. Sie liegt am Zusammenfluss des Weißen Nils mit dem Blauen Nil.

Khartum hat 1.974.647 Einwohner in der eigentlichen Stadt und 7.316.985 in der Agglomeration mit Omdurman und Bahri (Stand jeweils 1. Januar 2005).

Khartum wurde 1820 von den Ägyptern ursprünglich als Militärlager gegründet, 1885 vom Mahdi erobert und zerstört und seit 1898 unter dem britischen Oberbefehlshaber Kitchener wieder aufgebaut.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde Khartum als zumeist aus elenden Lehmhäusern mit engen, krummen und schmutzigen Gassen beschrieben. Aus Ziegeln erbaut waren nur das große, schmucke Haus des Gouverneurs, das einen weiten, mit Dattelpalmen geschmückten Vorplatz hatte, die österreichisch-apostolische Mission, die Moschee (die einzige), die koptische Kirche und einige Häuser der handeltreibenden Griechen und anderer Europäer, Levantiner und Araber.

Vor der Eroberung der Stadt durch den Mahdi Muhammad Ahmad unterhielten Österreich-Ungarn und Großbritannien hier Konsulate; das erste gründete schon 1847 hier die genannte Mission. Die Bevölkerung, ca. 50.000 bestand zum allergrößten Teil aus Arabern aus den verschiedensten Gegenden, aus Eingebornen Innerafrikas, die hierher als Sklaven verschleppt wurden, aus Levantinern, Griechen, Italienern, Franzosen und anderen.

Die Europäer waren Missionare, Konsulatsbeamte, Ärzte, Apotheker, Kaufleute. Die Stadt hatte wohlversorgte Basare, europäische Magazine, Märkte voll von Lebensmitteln, Früchten, eine Anzahl zum Teil durch Griechen betriebene Materialwarenbuden (Bakal), sowie Likör- oder Kaffeeboutiquen. Der Blaue Nil war erfüllt von größeren und kleineren Barken; selbst Dampfboote ankerten hier. Übrigens war Chartum ein ganz besonders ungesunder Ort, so dass die europäische Kolonie mehrmals fast ganz ausstarb.

Die Stadt hat sich aus dem Lager entwickelt, welches Mehemed Alis Generale auf der Landzunge zwischen den beiden Flüssen aufschlugen, und um das sich die Eingeborenen des Handels wegen bald ansiedelten. Nach dem Sturz des alten Handelszentrums Schandi konzentrierte sich der Handel des Sudan in Chartum, das nun den gesamten Handel mit Elfenbein, Gummi, Tamarinden, Straußenfedern und Sklaven aus Zentralafrika mit dem Roten Meer vermittelte.

Unter Ismail Pascha wurde die Stadt zur Hauptstadt des Sudan und zum Sitz des Generalgouverneurs (Baker, dann Gordon u. a.) erhoben. Gegen die Anhänger des Mahdi wurde sie durch Gordon lange tapfer verteidigt, bis sie am 26. Januar 1885 durch Verrat in die Hände der Mahdisten viel, wobei Gordon selber sein Ende fand.

In den 1970er und 1980er Jahren war Khartum das Ziel von hundert-tausenden Flüchtlingen, die Schutz vor den Konflikten im Tschad, Äthiopien und Uganda suchten. Diese siedelten sich in großen Slums in den Außenbezirken der Stadt an. Seit 1983 kamen dann auch viele Vertriebene aus dem Sudan selbst hinzu, als Folge des neu entbrannten Sezessionskrieges im Süd-Sudan und des Darfur-Konflikts.

Nach den Bombenattentaten auf die US-Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania am 7. August 1998 mit 230 Toten, darunter zwölf US-Amerikaner – Osama Bin Laden soll an der Planung beteiligt gewesen sein – rächten sich die Vereinigten Staaten am 20. August 1998 mit Cruise-Missile-Angriffen auf eine chemische Fabrik in der Nachbarstadt Bahri (zehn Verletzte), die in dem Verdacht stand, teilweise Bin Laden zu gehören. Die Behauptung, es habe sich um eine Produktionsstätte für chemische Waffen gehandelt, hielt jedoch einer Überprüfung nicht stand und wird als Propagandalüge angesehen.

Nach dem Tod von John Garang, dem Führer der SPLA, brachen am 1. und 2. August 2005 Unruhen in der Stadt aus, bei denen 75 Menschen ums Leben und mehrere hundert wurden verletzt.

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