Der große Trek nach Osten

Zu Beginn des 18. Jh.s erwies sich der Anbau von Wein und Weizen infolge der Überproduktion und fester VOC-Preise (VOC=Vereenigde Oost-Indische Compagnie) als unrentabel. Immer mehr Bauern legten sich Rinder- und Schafherden zu, die weniger Kapital und Arbeit erforderten. Auf der Suche nach neuem Weideland drangen die sogenannten Trekboer, halb nomadische Viehzüchter, mit ihren Herden entlang der Ostküste in unbesiedeltes Land vor. Im Jahr 1779 stießen sie am großen Fischfluß mit den Xhosa zusammen, die sie „Kaffer“ nannten und die ihrerseits in den Süden des Landes einwanderten. Es kam zum ersten von insgesamt neun bis 1878 dauernden, blutigen Kriegen.
Um 1835 sahen sich mehr als 10.000 Buren gezwungen die Kapregion zu verlassen. Diese Geschichtliche Epoche der Buren wird als der "Groot Trek" bezeichnet. Die sogenannten "Voortrekker" verließen ihre Familien und zogen nach Norden und Nordosten. Gezwungen wurden sie durch ökonomische Probleme der Siedler, die anhaltende Bedrohung durch das Xhosa Volk, jenseits des Fish Rivers, und vor allem die Unzufriedenheit mit der englischen Kolonialmacht, die keinen ausreichenden Schutz gewähren konnte, die zudem den Sklavenhandel verboten hatten und die Gleichstellung von Weißen und Nicht-Weißen forderte.
Im Grenzgebiet am Fischfluss war es weiterhin zu ständigen Auseinandersetzungen mit den Xhosa gekommen, und die Zentralregierung in Kapstadt war nicht willens und fähig, die Buren im Kampf gegen die Xhosa militärisch wirksam zu unterstützen. Gleichzeitig wurden sie daran gehindert, eine Schutztruppe für die Selbstverteidigung aufzubauen. Ganz besonders unverständlich für die konservativen Burengemeinden aber war die Haltung der britischen Kolonialregierung gegenüber den schwarzen Einwohnern der Kolonie, die auf den meisten weißen Farmen als Sklaven gehalten wurden. Ab 1833 wurde der Sklavenhandel insgesamt verboten und die weißen Herren durch den "Emancipation Act" aufgefordert, ihre Sklaven - gegen Zahlung einer geringen Entschädigung durch den Staat - freizulassen. Die Voortrekker waren der Meinung, dass diese britische Politik ihre alte, auf Rassentrennung beruhende Sozialordnung zerstöre und die weiße Vorherrschaft, die sie als von Gott gewollt ansahen, unterliefe.
Die Voortrekker(=Pioniere) verließen die Kapkolonie in mehreren Treks. Auch wenn diese Wanderung zunächst spontan (Protestbewegung) begonnen hatte, entwickelten sie sich im Laufe der folgenden Jahre zu einer wahren Lawine mit weitreichenden Folgen für die Geschichte Südafrikas.
Nach Überquerung des Oranje wanderten einige Züge nach Norden andere nach Osten bis nach Durban und weiter ins Zululand. Weitere Landstriche waren entweder entvölkert oder die Menschen waren zu geschwächt, um Wiederstand zu leisten, eine Folge der durch Shaka (Zulukönig) ausgelösten Völkerverschiebungen. Im Februar 1838 empfing Dingane Shakas Nachfolger, Piet Retief und 70 Voortrekker in seiner Hauptstadt Mpungundhlovo. Die Parteien handelten einen Vertrag aus, in welchem den Neuankömmlingen das südlich des Tugela gelegene Land überlassen werden sollte. Der Zulukönig(hieß es nachher) hielt sich jedoch nicht an die Abmachungen und ließ Retief und seine Leute ermorden und die übrigen Voortrekker-Lager angreifen. Daraufhin folgten eine Reihe grausamer Gefechte mit vielen Toten.
Zu einer Wende kam es unter Andries Pretorius aus Graff-Reinet, er leitete am 15. Dezember 1838 die Gegenoffensive in der Schlacht am Blood River. Am 16. Dezember siegten 464 Buren über etwa 10.000 Zulu-Krieger(3000 Zulus starben). Die tief religiösen Buren schrieben diesen Sieg allerdings nicht ihrer überlegenen Waffen-Technik zu, sondern sahen darin vor allem ein Zeichen Gottes. Von nun an fühlten sie sich noch mehr bestärkt in ihrem Glauben, dass die Vorherrschaft der Weißen gegenüber den Schwarzen eine gottgewollte Ordnung repräsentiere.
Anschließend gründeten die Buren 1839 die Republik mit der Hauptstadt Pitsmansburg. Sie bestand aber nicht lange, denn bereits 1842 wurde sie von den Britten gewaltsam übernommen und zum Teil der Kapkolonie erklärt.
Wieder brachen die Buren nach Norden auf, wo sie mehrere unabhängige kleine Staaten gründeten.
Zwar besetzten die Britten das Land wieder es gelang den Buren jedoch in zähen Verhandlungen 1852 den Sandriver-Vertrag zu schließen, in dem Großbritannien die Unabhängigkeit des Burenstaates Transvaal und 1854 den Orange-Freistaat anerkannte.



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