Kolonialisierung


Aufteilung des Landes zur Kolonialisierung

1902 erfolgte die Abtrennung eines Teils Ostugandas (der East Uganda Province) und die Angliederung an Kenia, um die 1901 neu errichtete erste Etappe der Uganda Railway, die bei Kisumu am Ostufer des Viktoriasees endete, komplett unter der Kontrolle eines einzelnen Gebiets, Kenias, zu haben. Ab Kisumu wurden Waren und Passagiere zunächst die letzten 300 km per Dampfschiff über den Viktoriasee nach Buganda ans Nordwestufer verschifft. Die Fertigstellung der Bahnlinie war ein absoluter Meilenstein für die Entwicklung des Landes; die Transportkosten für Waren, die an die Küste transportiert werden sollten, sanken um 97 %.

Die koloniale Wirtschaft beschränkte sich anfangs auf den landwirtschaftlichen Anbau von Exportgütern (so genannte Cash Crops) wie Baumwolle und Kaffee. Besonders der Anbau der Baumwolle wurde vor dem Ersten Weltkrieg vorangetrieben und stieg von einem Exportvolumen von 200 Pfund Sterling 1905 auf 52.000 Pfund 1908 und schließlich 369.000 Pfund 1915, so dass die Verwaltung nun völlig ohne Geldzuschüsse Großbritanniens auskam. Daher wurde der Anbau auch auf weitere Provinzen ausgedehnt. Die Ersetzung der traditionellen Anbaugüter durch exportorientierte Monokulturen führte allerdings auch zu mehreren Hungersnöten, so dass davon auszugehen ist, dass die Bevölkerung der Ostprovinzen zwischen 1890 und 1923 von etwa 1 Million auf 220.000 zurückgegangen ist.

Anders als in Kenia blieb die Zahl der europäischen Siedler äußerst gering, was zum Teil daran lag, dass die Chiefs besser über Land und billige Arbeitskräfte verfügen konnten als die Kolonisatoren, so dass das landwirtschaftlich genutzte Land zum großen Teil in den Händen der lokalen Bevölkerung und ihrer Aristokratie blieb. Trotzdessen nahmen die Afrikaner durch die Mission schnell die europäische Lebensart an. Die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben verbreitete sich zunehmend, so dass bereits 1911 zwei eigene monatliche Zeitschriften (Ebifa und Munno) in Luganda erschienen. Auch bildeten sich erste Hochschulen wie Mengo High School, St. Mary's Kisubi, Namilyango, Gayaza und King's College Budo, die alle in Buganda lagen. 1922 wurde in Kampala die heutige Makerere-Universität gegründet, die zunächst berufbildendes Technikum, ab 1938 höhere Schule war und ab 1950 vollwertige Universitätsabschlüsse verlieh.

Nach der teilweisen Erschließung des Landes, die durch den Bau der Eisenbahnen durch die britische Kolonialverwaltung vorangetrieben wurde, emigrierten zahlreiche Asiaten nach Uganda. Sie übernahmen rasch bedeutende Plätze im Handel und begrenzt auch in der Industrie des Landes. So war einige Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs auch die indische Rupie das Hauptzahlungsmittel, das aber danach vom Pfund verdrängt wurde.

Die frühe Öffnung Bugandas gegenüber den späteren Kolonialmächten brachte den Angehörigen seiner Aristokratie, den Chiefs, große Vorteile nachdem Uganda seinen heutigen Umfang erhalten hatte. Sie wurden bei der Besetzung von Beamtenpositionen auch in den Gebieten der anderen Königreiche bevorzugt und waren meist Besitzer der nun zahlreich angelegten Plantagen, da ihnen Johnstons Vertrag von 1900 etwa die Hälfte des Landes von Buganda zuteilte. Die Position der Chiefs wurde dadurch erheblich aufgewertet und sie gehörten später zu den wohlhabendsten Ugandern, die in einigen Fällen höhere Einkommen hatten als der britische Gouverneur Ugandas. Das Zentrum Bugandas um Kampala und Entebbe wurde nun das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des neuen Staates, das sich gut entwickelte. In diese Zeit fällt auch der Ausspruch Winston Churchills von der „Perle Afrikas“. Die gute Entwicklung beschränkte sich aber vornehmlich auf den Süden, während der Norden vernachlässigt wurde, was den Gegensatz zwischen den verschiedenen Völkern zusätzlich verschärfte.

1918 wurde dem Gebiet Ugandas auch die West Nile Province zugeschlagen, womit das Land seine heutigen Umrisse erhielt.

1920 wurde dem Gouverneur der britischen Krone erstmals ein Legislativrat zur Seite gestellt, dessen Mitglieder zunächst von Großbritannien ernannt wurden. Ab 1926 waren auch Inder, aber noch keine Afrikaner vertreten.

In den 1930er und 1940er Jahren erließen die Briten einige Verordnungen wie die Native Produce Marketing Ordinance, die dazu dienen sollten, den überregionalen Handel, der in der Hand von Briten und Indern lag, gegenüber der erstarkenden, für den Export produzierenden, schwarzen Bauernschaft abzuschotten.

Eine erste politische Organisation unter den Schwarzen bestand 1915, als die Young Baganda Association gegründet wurde, die sich aus jungen, relativ gut ausgebildeten Baganda zusammensetzte, die verstärkt ihren Einfluss gegenüber der älteren Generation, die in der Verwaltung saß, geltend machen wollten. Sie setzten sich aber auch, wie die Uganda African Civil Servants Association von 1922, allgemein für die Beseitigung von Nachteilen für afrikanische Händler und Beamte ein. Landbesitzer organisierten sich in der Bulungwe bwa Buganda (ab 1934 African Welfare Association) und 1939 in der Bana ba Kintu. Ihr Protest gegen Landkäufe der Kabaka-Regierung Bugandas und die gewaltsame Niederschlagung ihres Protests führten 1944/1945 zu einem Generalstreik. In der Folge wurden einige Zugeständnisse an die Afrikaner beim Zugang zu den lokalen politischen Gremien gemacht.

1946 gründete sich die Bataka Party und 1947 unter Beteiligung Ignatius Musazis die Uganda African Farmer Union, die gegen Handelsmonopole bei der Baumwoll- und Kaffeeproduktion angingen. Sie erreichten 1949 einen Verkaufsboykott der Produzenten für Baumwolle, der aber im Verbot der beiden Organisationen endete. Ihre Führer taten sich dann 1952 zur ersten politischen Partei des Landes, dem Uganda National Congress (UNC) zusammen, dessen Forderungen eine föderative Verfassung, allgemeine Wahlen und eine Selbstregierung durch Afrikaner umfassten.

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