Wachsender Einfluss fremder Mächte

Etwa ab 1840 intensivierten sich die direkten Handelsbeziehungen Bugandas mit den Arabern, die Sklaven und Elfenbein abnahmen. Auch die kleineren Reiche von Kitara, das wieder eine gewisse Autonomie von Bunyoro gewonnen hatte, und Karagwe im Osten unterhielten Kontakte zu Arabern. Einzelne Regionen wurden zu diesem Zeitpunkt islamisiert. Unter dem Kabaka Mutesa I., der seit 1856 das Amt inne hatte, erreichte Buganda den Höhepunkt seiner Macht. Es kam nun zu ersten Kontakten mit europäischen Afrikaforschern. Dies geschah vor allem in Buganda, das sich den Fremden stärker öffnete als Bunyoro und die anderen Reiche. 1862 empfing der Kabaka John Hanning Speke und James Augustus Grant sowie 1875 Henry Morton Stanley. In den 1860er und 1870er Jahren begann die Expansion der Khediven von Ägypten unter anderem durch Ismail Pascha und Emin Pascha den Norden Ugandas zu erreichen, die auch Samuel White Baker nach Uganda sandten. 1877 gelangten erstmals anglikanische und 1879 katholische Missionare nach Uganda, die auf Wunsch des Kabakas ins Land kamen, da dieser den wachsenden islamischen Einfluss begrenzen wollte, der von Norden und Westen her sich auf das Gebiet Ugandas ausbreitete. Der Kabaka trat mit großen Teilen des Hofs und des Rats, des Lukikos, zum Christentum über. Allerdings beschränkte er zunächst die Arbeit der Missionare auf die Hauptstadt. Bald darauf trafen auch erste Gesandte des Deutschen Reichs, Frankreichs und Großbritanniens ein. Kurze Zeit später begannen die vermehrt auftretenden Europäer auch in anderen Gebieten zu missionieren und rasch das bisherige Herrschaftssystem zu destabilisieren, da viele lokale Führer versuchten, ihren Einfluss zu vergrößern, indem sie sich den Europäern annäherten, deren überlegene Waffentechnik enorme Macht bedeutete und Möglichkeiten bot, andere Herrscher auszuspielen. Insbesondere aber führten auch die religiösen und nationalen Animositäten der Europäer untereinander, die jeweils bekehrte einheimische Gefolgschaften hinter sich wussten, zu zusätzlichen Konflikten. Zu einem ersten Ausgleich kam es 1884/1885, als auf der Kongokonferenz die Ansprüche Großbritanniens auf Uganda anerkannt wurden. In weiteren Verträgen 1886 und im Helgoland-Sansibar-Vertrag 1890 regelten die Kolonialmächte die weitere Gebietsaufteilung. Deutsch-Ostafrika wurde auf die Gebiete des heutigen Gebietes von Festland-Tansania, Ruanda und Burundi festgelegt, während die jetzigen Staaten Uganda und Kenia als British East Africa zusammengefasst wurden.

Mwanga II. folgte 1884 seinem Vater auf den Thron. Im Gegensatz zu diesem, der mehr auf ein Ausbalancieren der fremden Einflüsse untereinander setzte, trat Mwanga aggressiver auf. Er war zudem nicht getauft, sondern Anhänger des Islam. So ließ er 1885 den Bischof James Hannington, der ins Land kam, festsetzen und kurz darauf töten. Dies alles führte zwischen 1887 und 1894 zu drei blutigen Bürgerkriegsepisoden. 1888 wurde Mwanga nach einem Gefecht bei Mengo abgesetzt und durch seinen Halbbruder Kiwewa Mutebi II. ersetzt, der von den Briten unterstützt wurde. Nachdem Mwanga II. 1890 einen Schutzvertrag mit Frederick Lugard von der Imperial British East Africa Company (IBEAC) unterzeichnet hatte, wechselten die Briten die Unterstützung und Mwanga bestieg wieder den Thron, nachdem kurze Zeit Kalema den Thron inne hatte. 1892 brach ein offener Konflikt zwischen französischen Katholiken, die dem Gedanken einer Übernahme der Herrschaft in Uganda durch das Deutsche Reich und Carl Peters nahestanden, da Frankreich in Ostafrika keine eigenen Kolonialambitionen hatte, und britischen Protestanten bzw. deren jeweiligen einheimischen Gefolgschaften aus, in dem zunächst die Franzosen die Überhand gewannen. Erst durch militärischen Eingriff Lugards wurden die Franzosen geschlagen. Uganda war in diesen Jahren auf Grund des verstärkten Kontakts zur Außenwelt einigen Epidemien ausgesetzt, darunter die Rinderpest, die Schlafkrankheit und die Pocken.

Der britische Gesandte Sir Gerald Portal kam 1893 ins Land und schlug seinen Sitz in Entebbe auf, was dazu führte, dass die Stadt später die Hauptstadt Ugandas werden sollte. Unter seiner Leitung erklärte Großbritannien Buganda als Protektorat und es wurde ein erweiterter Schutzvertrag mit Mwanga abgeschlossen, der Buganda noch enger an Großbritannien band, das auch die Verwaltung des Gebiets übernahm, den Kabaka aber zunächst noch als Souverän bestätigte. In diesem Vertrag musste Mwanga allerdings auch militärische Unterstützung für Portals Vorhaben der Unterwerfung der Reiche Toro, Ankole, Busoga und Bunyoro unter seinem Herrscher Kabalega zugestehen. Die Briten besiegten in der Folgezeit Bunyoro und Toro sowie das Gebiet der Acholi im Norden, während Busoga und Ankole Verträge unterzeichneten, die die britische Oberherrschaft besiegelten. 1897 aber floh Mwanga und startete einen Aufstand gegen die Briten. 1898 wurde er bei Kislaira geschlagen. Der nach der Flucht vakante Thron von Buganda wurde mit dem erst einjährigen Sohn Mwangas Daudi Chwa II. besetzt, dessen Amtsgeschäfte von drei von den Briten eingesetzten Ministern geführt wurden.

1896 wurde das Protektorat Uganda proklamiert und Henry Hamilton Johnston sicherte 1900 mit einem neuen Vertrag, dem Buganda Agreement, Großbritanniens Herrschaft endgültig ab. Ein Teil der Gebiete Bunyoros wurde an Buganda übertragen und unter dessen Adligen aufgeteilt. Auch Bugandas Ländereien wurden nun zwischen Kabaka und Chiefs (insgesamt etwa 3700 Angehörige des Adels) aufgeteilt, wodurch die frühere Form des Landbesitzes, die einem Lehen entsprach, in eine dem Allod entsprechende Form überging. 1897 musste ein Aufstand nubisch-ägyptischer Truppen niedergeschlagen werden, der sehr kostspielig war, da Großbritannien zusätzliche Truppen aus Britisch-Indien heranziehen musste.

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